26 Sicherheitsrelevante Vorfälle im stillgelegten Atomkraftwerk Brokdorf dokumentiert
Im stillgelegten Atomkraftwerk Brokdorf im Kreis Steinburg haben sich seit Anfang 2022 insgesamt 26 sicherheitsrelevante Vorfälle ereignet. Dies geht aus einer Antwort der schleswig-holsteinischen Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Malte Krüger hervor, die jetzt öffentlich wurde. Die Vorfälle traten während des Rückbauprozesses auf, der nach der endgültigen Stilllegung der Anlage Ende 2021 begonnen hat.
Menschliche Fehler und technische Defekte als Hauptursachen
Laut der detaillierten Darstellung der Landesregierung beruhen die meldepflichtigen Ereignisse häufig auf technischen Defekten, etwa durch Korrosionsschäden, oder auf menschlichen Fehlern bei den Arbeiten. Zu den dokumentierten Vorfällen zählen unter anderem:
- Ein Brennstab fiel bei Reparaturarbeiten aus der Greifvorrichtung
- An einer Brandschutzklappe trat eine Funktionsstörung auf
- Im November 2024 kam es bei Arbeiten an einer Isolierhaube zu einer leichten Kontamination eines Mitarbeiters mit radioaktiven Stoffen
Kritik des Grünen-Abgeordneten an Betreiber
Der Grünen-Abgeordnete Malte Krüger äußerte deutliche Kritik an der Vorgehensweise des Betreibers: "Ich erwarte vom Betreiber PreussenElektra und dem Eigentümer Eon mehr Sorgfalt und Prävention", sagte Krüger. Er betonte weiter: "Der Konzernleitung von PreussenElektra müsse wieder klarer werden, dass es nicht um den Rückbau eines Abenteuerspielplatzes gehe, sondern um ein Atomkraftwerk. Dabei stehe der Schutz von Umwelt und Bevölkerung an erster Stelle."
Betreiber widerspricht und betont Sicherheitsstandards
Der Betreiber PreussenElektra wies die Ausführungen Krügers entschieden zurück und sprach von einem Versuch der Grünen, "unsere Sicherheitskultur in Zweifel zu ziehen". In einer offiziellen Stellungnahme betonte das Unternehmen, dass sämtliche in Rede stehenden Ereignisse der atomrechtlichen Aufsichtsbehörde gegenüber transparent offengelegt, regelkonform bewertet und umgehend behördlich abgearbeitet worden seien.
Die Aufsichtsbehörde selbst habe der Einstufung jedes einzelnen Ereignisses auf der Stufe 0 – "Abweichung ohne sicherheitstechnische Relevanz" – der internationalen Meldeskala zugestimmt und damit bestätigt, dass die Ereignisse sicherheitstechnisch unbedeutend seien. Diese Bewertung belege nach Angaben des Kraftwerkbetreibers, dass zu keinem Zeitpunkt ein Risiko für Personal, Bevölkerung oder Umwelt bestanden habe.
Rückbau des AKW Brokdorf läuft seit 2024
Im Oktober 2024 erhielt das Atomkraftwerk Brokdorf die erste Genehmigung für den umfangreichen Rückbau. Laut den damaligen Angaben des Betreibers PreussenElektra sollen die Arbeiten insgesamt etwa 15 Jahre dauern. Das Kernkraftwerk war nach über 35 Jahren Betriebszeit Ende 2021 endgültig vom Netz gegangen und gehört zu den letzten deutschen Atomkraftwerken, die im Zuge des beschlossenen Atomausstiegs stillgelegt wurden.
Die aktuelle Diskussion um die Sicherheitsvorfälle zeigt, wie sensibel und aufmerksam der Rückbauprozess von Atomkraftwerken in Deutschland begleitet wird. Während die politischen Vertreter auf maximale Transparenz und Vorsicht drängen, betonen die beteiligten Unternehmen die Einhaltung aller Sicherheitsstandards und die fachgerechte Abwicklung aller Arbeiten unter behördlicher Aufsicht.



