Die ADAC-Luftrettung steht vor einer existenziellen Krise. Grund ist das Sparpaket der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU). Laut Frédéric Bruder, Vorsitzender der Geschäftsführung der ADAC-Luftrettung, droht eine Refinanzierungslücke von rund 221 Millionen Euro zwischen 2027 und 2031. „Wer wird uns sagen, wen wir retten und wen nicht?“, fragt Bruder im Gespräch mit BILD.
Die geplanten Kürzungen im Detail
Der Gesetzentwurf sieht vor, dass die Vergütung im Gesundheitswesen künftig nur noch begrenzt steigen darf. Als Maßstab dient die sogenannte Grundlohnsumme – also die Entwicklung der beitragspflichtigen Einkommen. Von 2027 bis 2029 soll sie sogar jeweils um einen Prozentpunkt reduziert werden. Dies trifft die Luftrettung besonders hart, da ihre tatsächlichen Kosten stärker steigen als die geplante Vergütung.
Die ADAC-Luftrettung betreibt 60 Christoph-Hubschrauber und beschäftigt 670 Notärzte. Jährlich starten sie zu rund 50.000 Einsätzen – bei schweren Verkehrsunfällen, Herzstillständen oder Intensivpatienten, die keinen Krankenwagen-Transport mehr schaffen. Die Kosten für Hubschraubertechnik, Wartung, Treibstoff, Infrastruktur und Personal steigen kontinuierlich.
Warum die Kosten kaum zu senken sind
Anders als in vielen anderen Bereichen lassen sich diese Kosten kaum reduzieren. Die ADAC-Luftrettung muss rund um die Uhr einsatzbereit sein. Hubschrauber, Besatzungen und Standorte müssen auch dann vorgehalten werden, wenn gerade kein Einsatz stattfindet. Diese ständige Bereitschaft ist teuer und nicht verhandelbar.
Die geplanten Einsparungen könnten dazu führen, dass der ADAC Leistungen einschränken und Luftrettungsstationen schließen muss. Bei Notfällen müsste dann abgewogen werden, ob Patienten per Hubschrauber gerettet werden oder ob es die Sanitäter besser doch mit dem Krankenwagen versuchen. Dies könnte zu einer Art Triage führen – der Auswahl, wer gerettet wird.
Die Warnung des ADAC-Luftrettungschefs
Frédéric Bruder (51) warnt eindringlich: Sollte die Reform so kommen, dann „werden wir nicht mehr jeden retten können“. Die unscheinbaren Zeilen im Gesetzentwurf könnten bald über Leben und Tod entscheiden. Die gemeinnützigen Luftrettungsorganisationen wie der ADAC geraten durch das Sparpaket in existenzielle Schwierigkeiten.
Die ADAC-Luftrettung appelliert an die Politik, die geplanten Kürzungen zu überdenken. Ohne eine Anpassung der Vergütung an die tatsächlichen Kosten sei die flächendeckende Luftrettung in Deutschland nicht mehr zu gewährleisten.



