Das ungarische Atomkraftwerk Paks ist infolge des niedrigen Wasserstands der Donau nur knapp einer Totalabschaltung entgangen. Ministerpräsident Peter Magyar teilte am frühen Dienstagmorgen mit, dass die Anlage nur wenige Millimeter von der vollständigen Abschaltung entfernt war. „Morgens gegen halb zwei waren wir nur wenige Millimeter von der vollständigen Abschaltung entfernt“, schrieb Magyar auf seiner Facebook-Seite. „Doch dann fand das Absinken des Wasserstands (der Donau) ein Ende, und am Morgen stieg er um 1,5 Zentimeter.“
Minimalbetrieb mit letzter Turbine
Derzeit betreibt das AKW, das normalerweise ein Drittel des ungarischen Stromverbrauchs deckt, „unter sicheren Umständen seine letzte Turbine“, so der Regierungschef weiter. Das Kraftwerk liegt etwa 100 Kilometer südlich von Budapest und bezieht sein Kühlwasser direkt aus der Donau, deren Pegel in Ungarn derzeit auf historischen Tiefständen verharrt. Die vier Reaktorblöcke von Paks sind seit den 1980er-Jahren in Betrieb, der erste Block wurde 1982 ans Netz genommen.
Leistung auf 12 Prozent reduziert
Mit nur einer laufenden Turbine beträgt die Leistung des AKW Paks derzeit 240 Megawatt. Das entspricht laut ungarischem Landesenergieamt (OAH) gerade einmal 12 Prozent der Gesamtleistung im Normalbetrieb. Am vergangenen Wochenende schien eine komplette Abschaltung unvermeidlich, was die erste seit Inbetriebnahme des ersten Reaktorblocks im Jahr 1982 gewesen wäre. Seit der Nacht zum Dienstag steigen die Wasserstände der Donau in Ungarn jedoch wieder leicht an.
Stromlücken und Sparmaßnahmen
Trotz des Minimalbetriebs gibt es derzeit keine Abschaltungen oder angeordnete Drosselungen der Stromversorgung. Allerdings führt die reduzierte Produktion zu erheblichen Lücken in der Stromerzeugung. Regierungschef Magyar hatte bereits vor Tagen Wirtschaft und Bevölkerung zu einem sparsamen Umgang mit Strom aufgerufen. Zahlreiche Unternehmen haben Maßnahmen ergriffen, um ihren Energieverbrauch zu senken, insbesondere in den abendlichen Spitzenzeiten. Nach Angaben Magyars vom Montagabend verbraucht das Land derzeit mehr als 500 Megawatt weniger als an einem normalen Sommertag.
Hitzewelle betrifft ganz Mitteleuropa
Ungarn wird wie viele andere Länder des Kontinents derzeit von einer schweren Hitzewelle heimgesucht, die die Niedrigwasserstände der Flüsse weiter verschärft. Auch in Deutschland sorgt der niedrige Rheinpegel für Probleme, etwa bei der Treibstoffversorgung. Die Lage bleibt angespannt, doch die aktuellen Wasserstandsmeldungen geben Anlass zu vorsichtigem Optimismus.



