Mehrere stillgelegte Kernkraftwerke in Deutschland könnten nach einer neuen Analyse der pro-nuklearen Denkfabrik Radiant Energy Group innerhalb weniger Jahre wieder ans Netz gehen – und das wirtschaftlich rentabel. Die ersten Reaktoren könnten demnach bereits 2031 wieder Strom liefern. Die Autoren des Berichts kommen zu dem Schluss, dass es keine grundsätzlichen technischen Hindernisse für eine Reaktivierung gebe.
Fünf AKW als Kandidaten für die Wiederinbetriebnahme
Als erste Kandidaten nennen die Autoren die Anlagen Brokdorf, Emsland, Isar 2, Neckarwestheim 2 und Grohnde. Diese könnten nach Einschätzung der Denkfabrik in rund vier Jahren wieder ans Netz gehen. Es wäre der „Rettungsanker für die Industrie“, so die Autoren. Die durchschnittlichen Kosten des AKW-Stroms beziffert die Radiant Energy Group auf 37 Euro pro Megawattstunde. Das liege deutlich unter den aktuellen Großhandelspreisen von mehr als 90 Euro pro Megawattstunde.
Günstiger und schneller als Neubauprojekte
Die Radiant Energy Group argumentiert, dass die Wiederinbetriebnahme günstiger wäre als AKW-Neubauprojekte. Das vollständige Reaktivierungsprogramm mit einer Leistung von 18,5 Gigawatt sei größer als das französische Vorhaben zum Bau von sechs neuen EPR2-Reaktoren. Zudem wäre es schneller und günstiger. Die drei verbliebenen Kernkraftwerke – Emsland, Isar 2 und Neckarwestheim 2 – wurden am 15. April 2023 endgültig abgeschaltet.
Politische Unterstützung zeichnet sich ab
Auf Unterstützung dürfte die Idee der Reaktivierung auch in Teilen der Politik stoßen. Unions-Fraktionschef Jens Spahn (CDU) hatte erst im April erklärt, Deutschland könne seine zuletzt abgeschalteten Kernkraftwerke mit deutlich geringerem finanziellen Aufwand wieder ans Netz bringen als andere Länder ihn für den Bau neuer Reaktoren aufbringen müssen. Eine Diskussion darüber sei „in jedem Fall wert“, so Spahn damals.
Zeit drängt: Moratorium gefordert
Nach Einschätzung der Radiant Energy Group werde eine Reaktivierung allerdings mit jedem Jahr schwieriger. Der fortschreitende Rückbau der Anlagen, der Verlust von Fachkräften und schrumpfende Lieferketten erhöhten die Kosten und erschwerten eine spätere Wiederinbetriebnahme. Deshalb empfehlen die Autoren ein sofortiges Moratorium für den Rückbau sowie Änderungen am Atomgesetz, um den Betrieb von Kernkraftwerken rechtlich wieder zu ermöglichen.



