Belgien stoppt Rückbau von Atomreaktoren – Verhandlungen mit Engie
Belgien stoppt Rückbau seiner Atomreaktoren

Die belgische Regierung hat den Rückbau aller Atomreaktoren im Land vorerst gestoppt. Wie Regierungschef Bart De Wever in einer gemeinsamen Erklärung mit dem Energiekonzern Engie mitteilte, befinde man sich in Verhandlungen über eine staatliche Übernahme der Meiler. Ziel sei es, die Kontrolle über die eigene Energieversorgung zu erhöhen und die Abhängigkeit von fossilen Importen zu verringern.

Engie zeigt sich zurückhaltend

Erst im vergangenen Jahr hatte Engie-Chef Vincent Verbeke klargestellt, dass Kernenergie nicht mehr zu den strategischen Ambitionen des französischen Konzerns zähle. Stattdessen fokussiere man sich zunehmend auf erneuerbare Energien und Flexibilität. Der Stopp aller Rückbauarbeiten soll laut der Erklärung sicherstellen, dass dem belgischen Staat alle Optionen offenstehen. De Wever betonte den Wunsch nach mehr Kontrolle über die eigene Versorgung.

Hintergrund: Laufzeitverlängerung und stillgelegte Reaktoren

In Belgien sind derzeit zwei Reaktoren in Betrieb: einer im Kraftwerk Doel an der niederländischen Grenze und einer im AKW Tihange nahe Lüttich, rund 50 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Ursprünglich sollten beide bereits 2025 abgeschaltet werden, doch infolge der Energiekrise 2022 wurde ihre Laufzeit bis 2035 verlängert. Daneben gibt es fünf stillgelegte Reaktoren – drei in Doel und zwei in Tihange. Darunter ist der umstrittene Reaktor Tihange 2, der 2023 nach der Entdeckung Tausender kleiner Risse im Reaktordruckbehälter abgeschaltet wurde. Deutsche Politiker und Atomkraftgegner hatten sich jahrelang für seine Stilllegung eingesetzt. Alle Reaktoren stammen aus den Siebziger- und Achtzigerjahren.

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Politische Perspektiven

De Wever gehört der flämisch-nationalistischen Partei Nieuw-Vlaamse Alliantie an, die als Befürworterin der Atomkraft gilt. Neben dem Rückbaustopp strebt sie sogar einen Ausbau des Nuklearsektors an. Konkrete Pläne für neue Reaktoren gibt es jedoch noch nicht. Auch in Deutschland wird die Atomkraft immer wieder diskutiert. Während Bundeskanzler Friedrich Merz das Aus als unumkehrbar bezeichnete, zeigte sich Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) kürzlich offen für eine Wiederinbetriebnahme deutscher Kernkraftwerke.

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