Deutschland beliefert Ukraine mit Gas aus Rügen: LNG-Terminal als Antwort auf russischen Kälte-Terror
Deutschland liefert Gas an Ukraine aus Rügen-Terminal

Deutschland startet Gaslieferungen an Ukraine von Rügen aus

Im Industriehafen Mukran auf der Ostseeinsel Rügen hat ein bedeutendes energiepolitisches Kapitel begonnen: Das dortige Flüssiggas-Terminal beliefert ab sofort die Ukraine mit dringend benötigtem Erdgas. Diese Maßnahme richtet sich explizit gegen den sogenannten Kälte-Terror Russlands, der durch gezielte Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur während des extremen Winters verübt wird.

Strategische Partnerschaft zwischen Naftogaz und Deutsche ReGas

Nach aktuellen Informationen hat die ukrainische Energiegruppe Naftogaz die Lieferung von amerikanischem Flüssigerdgas (LNG) über das Terminal des Unternehmens Deutsche ReGas gesichert. Das LNG wird per Schiff aus den Vereinigten Staaten importiert und durch das Energieunternehmen TotalEnergies Deutschland in die Ukraine transportiert. Besonders bemerkenswert ist der Transportweg: Nachdem das Flüssiggas im Terminal wieder in gasförmigen Zustand regasifiziert wurde, gelangt es über Pipelines nach Lubmin.

Diese Route ist historisch bedeutsam, denn bis 2022 floss russisches Gas über die Nordstream-Pipeline genau an diesen Ort. Damit könnte nun ehemalige Nordstream-Infrastruktur erstmals für ukrainische Energieversorgung genutzt werden. Von Lubmin aus wird das Gas weiter über Polen in die Ukraine geleitet, wo es Naftogaz zur Deckung des nationalen Bedarfs zur Verfügung steht.

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Schwierigster Winter seit Kriegsbeginn

Der aktuelle Winter stellt für die Ukraine die größte Herausforderung seit Kriegsausbruch dar. Neben extremen Temperaturen leidet das Land unter permanentem Beschuss seiner Energieanlagen durch russische Raketen und Drohnen. Ingo Wagner, Geschäftsführer von Deutsche ReGas, betont die Bedeutung des Engagements: „Wir sind besonders stolz darauf, als einziges privat finanziertes und betriebenes LNG-Terminal in Deutschland einen direkten Beitrag zur Energiesicherheit der Ukraine zu leisten.“

Wagner weiter: „Dies unterstreicht die strategische Bedeutung unseres Standorts, nicht nur für den Marktbereich, sondern insbesondere für unsere mittel- und osteuropäischen Nachbarn.“ Das fast 300 Meter lange Spezialschiff „Energos Power“, das im Hafen von Mukran liegt, könnte damit eine zentrale Rolle in der ukrainischen Energieversorgung übernehmen.

LNG-Importe verdreifacht – Speicherstände geben Anlass zur Diskussion

Aktuell erreichen die täglichen LNG-Importe nach Deutschland durchschnittlich 224 Gigawattstunden. Im Vergleich zum Vorjahr mit nur 79,7 Gigawattstunden pro Tag bedeutet dies eine Verdreifachung der Flüssiggasimporte. Während die Speicher für konventionelles Gas kontinuierlich leerer werden, kompensiert der massive LNG-Zufluss diesen Rückgang deutlich.

Die Bundesnetzagentur zeigt sich angesichts historisch niedriger Gasspeicher-Füllstände dennoch unbeeindruckt. Die Behörde geht davon aus, dass weiterhin ausreichend Gas über Pipelines und LNG-Terminals nach Deutschland gelangt. Diese Einschätzung teilt auch das Bundeswirtschaftsministerium, das die Versorgungssicherheit als gewährleistet ansieht.

Die Lieferungen von Rügen in die Ukraine markieren einen wichtigen Schritt in der europäischen Energiepolitik. Sie demonstrieren nicht nur praktische Solidarität mit dem kriegsgebeutelten Nachbarland, sondern zeigen auch, wie bestehende Infrastruktur neu genutzt werden kann, um geopolitische Abhängigkeiten zu reduzieren und Energieflüsse strategisch umzulenken.

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