Energiekosten im Sog des Nahost-Konflikts: Gas und Heizöl werden deutlich teurer
Der anhaltende Krieg im Nahen Osten wirkt sich nun massiv auf die Heizkosten deutscher Haushalte aus. Innerhalb weniger Tage sind die Preise für neu abgeschlossene Gasverträge deutlich gestiegen. Laut einer aktuellen Analyse des Vergleichsportals Verivox erhöhte sich der Gaspreis um 1,7 Cent pro Kilowattstunde – ein dramatischer Anstieg von rund 21 Prozent.
Spürbare Mehrbelastung für Familien
Für eine vierköpfige Familie mit einem typischen Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden bedeutet diese Entwicklung spürbare Mehrkosten. Nach Berechnungen von Verivox müssen diese Haushalte nun mit etwa 340 Euro zusätzlichen Ausgaben pro Jahr rechnen. Während im Februar 2026 der günstigste Gastarif mit zwölfmonatiger Preisgarantie im bundesweiten Durchschnitt noch bei 8,2 Cent pro kWh lag, sind aktuell bereits rund 9,9 Cent pro kWh fällig.
Großhandelspreise als Treiber
Der Grund für diesen abrupten Preissprung liegt eindeutig im Großhandel. Wegen des Iran-Krieges haben sich die Preise für Erdgas kräftig erhöht. Aktuell notiert Erdgas bei etwa 52 Euro je Megawattstunde – das entspricht einem Anstieg von rund 68 Prozent gegenüber dem Vorkriegsniveau.
Strategien für Verbraucher
Bestandskunden sollten umgehend prüfen, wie lange sie noch an ihren Vertrag gebunden sind. Energieexperten empfehlen, nach Ablauf eines Jahres zu kündigen und neu abzuschließen. Ein wichtiger Tipp: Vergleichen Sie Ihren aktuellen Preis mit den Angeboten für Neukunden. Fahren Sie mit dem Altvertrag günstiger, sollten Sie vorerst nicht kündigen.
Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox, warnt jedoch: „Sollte der Konflikt weitergehen, sind deutlich höhere Preise denkbar.“ Sein Rat an Verbraucher: „Viele Anbieter ermöglichen einen Wechsel schon bis zu zwölf Monate im Voraus. Wer sich jetzt einen günstigen Tarif sichert, ist vor weiteren Preissteigerungen geschützt.“
Enorme Preisspanne bei Gastarifen
Wie groß die Unterschiede zwischen den Tarifen sind, zeigt ein genauer Blick auf die Angebote. Im örtlichen Grundversorgungstarif zahlen Haushaltskunden laut Verivox im März 2026 durchschnittlich 13,4 Cent pro kWh. Bei einem Verbrauch von 20.000 kWh ergeben sich damit Heizkosten von 2688 Euro. Im günstigsten Angebot mit Preisgarantie werden dagegen nur rund 9,9 Cent pro kWh fällig, was Jahreskosten von 1972 Euro bedeutet. Die richtige Tarifwahl kann die Heizkosten also um über 700 Euro reduzieren.
Heizölpreise mit dramatischem Anstieg
Nicht nur Gas wird deutlich teurer. Auch Heizöl hat kräftig angezogen. Während 100 Liter im Februar im Durchschnitt noch 94 Euro kosteten, werden derzeit rund 134 Euro pro Hektoliter verlangt. Seit Beginn des Iran-Krieges entspricht das einem Preisanstieg von knapp 43 Prozent. Für einen Musterhaushalt mit einem Jahresbedarf von 2000 Litern steigen die Heizkosten damit von 1880 Euro auf 2680 Euro – eine Mehrbelastung von 800 Euro.
Empfehlungen für Heizölkunden
Auch hier sind Prognosen schwierig. Es kann sich lohnen, mit einer Lieferung noch zu warten, in der Hoffnung, dass die Preise wieder fallen. Steigen sie jedoch weiter, wäre diese Strategie riskant. Experten raten, zunächst abzuwarten, bis sich ein klarer Preistrend abzeichnet, und dann zu entscheiden.
Die aktuelle Situation zeigt deutlich, wie stark internationale Konflikte die Energiekosten in Deutschland beeinflussen können. Verbraucher sind gut beraten, ihre Verträge regelmäßig zu überprüfen und bei Bedarf frühzeitig zu wechseln, um sich vor weiteren Preissteigerungen zu schützen.



