Hannover vollzieht historischen Schritt: Erster Kohleblock geht vom Netz
Hannover hat einen bedeutenden Meilenstein in der deutschen Energiewende erreicht. Der erste Block des Kohlekraftwerks Stöcken wurde am Wochenende endgültig außer Betrieb genommen, wie der kommunale Versorger Enercity als Betreiber der Anlage mitteilte. Damit ist die Hälfte des geplanten Kohleausstiegs in der niedersächsischen Landeshauptstadt bereits vollzogen.
Konkrete Klimaschutzmaßnahmen mit messbaren Ergebnissen
Mit der Abschaltung von Block I spart Hannover jährlich eine beeindruckende halbe Million Tonnen CO2 ein. Diese Reduktion stellt einen substantiellen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele dar. Künftig wird jede zweite Kilowattstunde Fernwärme aus klimaneutralen Quellen stammen, was die Transformation des Energiesektors deutlich vorantreibt.
Die bisher von Block I erzeugte Wärme wird durch fünf innovative dezentrale Anlagen ersetzt, die auf verschiedene nachhaltige Energiequellen setzen:
- Nicht mehr recyclefähiges Altholz
- Klärschlamm
- Abwärme aus industriellen Prozessen
- Biomethan aus organischen Reststoffen
Politische Unterstützung und visionäre Pläne
Umweltminister Christian Meyer (Grüne) würdigte den Schritt als beispielhaft: „Mit der Abschaltung des ersten Kohleblocks zeigt Hannover, wie die Wärmewende und Klimaschutz konkret funktionieren. Hannover ist damit Vorbild beim Klimaschutz und der Nutzung Erneuerbarer Energien.“
Oberbürgermeister Belit Onay betonte einen besonders bemerkenswerten Aspekt: „Wir schaffen den Kohleausstieg ohne den Umweg über neue fossile Großkraftwerke.“ Dieser Ansatz vermeidet die Abhängigkeit von Erdgas als Brückentechnologie und setzt direkt auf erneuerbare Alternativen.
Substantielle Investitionen in die Energiezukunft
Enercity hatte bereits 2017 den strategischen Beschluss gefasst, aus der Kohlenutzung auszusteigen. Für den Ersatz von Block I des Kraftwerks Stöcken hat der kommunale Versorger bisher knapp 400 Millionen Euro investiert. Ein bedeutender Teil dieser Summe, genau 195 Millionen Euro, floss in ein neues Biomasse-Heizkraftwerk in Stöcken, das bereits im Oktober in Betrieb gegangen war.
Die finanziellen Verpflichtungen gehen noch weiter: Weitere 1,1 Milliarden Euro plant Enercity bis 2040 in zusätzliche Projekte der Energie- und Wärmewende zu investieren. Diese langfristige Planungssicherheit ermöglicht kontinuierliche Innovationen im Bereich der nachhaltigen Energieversorgung.
Zukunftsaussichten und nächste Schritte
Der noch verbleibende Block II des Kohlekraftwerks Stöcken wird spätestens nach der Heizperiode 2027/28 folgen. In gut zwei Jahren, wenn auch dieser zweite Block außer Dienst geht, sollen bereits bis zu 75 Prozent der Fernwärme aus erneuerbaren Quellen stammen.
Das dann noch verbleibende Gaskraftwerk wird bis Mitte der 2030er-Jahre technisch so umgerüstet, dass es zukünftig mit Wasserstoff als Brennstoff betrieben werden kann. Diese Vorbereitung auf grünen Wasserstoff stellt sicher, dass auch die verbleibende fossile Infrastruktur langfristig klimaneutral werden kann.
Die Abschaltung des ersten Kohleblocks in Hannover markiert nicht nur einen lokalen Erfolg, sondern sendet ein starkes Signal für die gesamte deutsche Energiewende. Sie demonstriert, dass der Ausstieg aus der Kohleverstromung technisch machbar, wirtschaftlich umsetzbar und ökologisch höchst effektiv ist.



