Fast 300 Millionen Menschen in der Europäischen Union waren während der beispiellosen Hitzewelle im Juni gesundheitsschädlichen Ozonwerten ausgesetzt. Das entspricht etwa zwei Dritteln der EU-Bevölkerung. Zu den Betroffenen zählten rund 100 Millionen Kinder und ältere Menschen, die besonders anfällig für die unsichtbare Gefahr sind. Dies geht aus einem Bericht der Nichtregierungsorganisation Global Witness hervor, der auf Daten von 162 Luftqualitätsmessstationen in ganz Europa basiert.
Rekordwert in Nordrhein-Westfalen gemessen
Der höchste Ozonwert wurde am 27. Juni im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen registriert: 233,7 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Zwei Drittel der Messstationen verzeichneten Temperaturen, die zu den höchsten aller Juniwerte seit 2013 gehörten. Die Werte übertrafen damit deutlich die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Grenzwerte. Laut Global Witness zeigt das Ausmaß dieser Belastung, wie gefährlich die Lebensbedingungen aufgrund der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen geworden sind.
Gesundheitsrisiken durch bodennahes Ozon
Bodennahes Ozon ist der Hauptbestandteil von Smog und unterscheidet sich grundlegend von der schützenden Ozonschicht in der Atmosphäre. Es entsteht durch komplexe chemische Reaktionen aus Stickstoffoxiden und flüchtigen organischen Verbindungen, die vor allem bei hohen Temperaturen und starker Sonneneinstrahlung begünstigt werden. Die gesundheitlichen Folgen sind gravierend: Ozon kann Atemprobleme verursachen, Lungengewebe schädigen, Asthmaanfälle auslösen und zu weiteren chronischen Erkrankungen führen.
Methan als Treiber der Ozonbildung
Obwohl die EU in den vergangenen Jahrzehnten die Stickstoffdioxidwerte erfolgreich reduzieren konnte, bleibt Methan ein zentrales Problem. Laut dem Global-Witness-Bericht ist Methan für ein Drittel der Ozonbildung verantwortlich. Derzeit gibt es in der EU keine verbindlichen Vorgaben zur Reduzierung der Methanemissionen in der Landwirtschaft, was die Ozonbelastung weiter verschärft.
Zahl der Todesfälle durch Ozon steigt
Die Europäische Umweltagentur führt allein für das Jahr 2023 mehr als 63.000 vorzeitige Todesfälle sowie Ernteschäden in Höhe von mehreren Milliarden Euro auf die Ozonbelastung zurück. Flossie Boyd, Kampagnenleiterin bei Global Witness, betonte: „Das Ausmaß dieser unsichtbaren Bedrohung macht deutlich, wie die Menschen aufgrund unserer Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen gezwungen sind, unter sehr gefährlichen Bedingungen zu leben.“ Die Organisation fordert daher strengere Grenzwerte und wirksamere Maßnahmen zur Luftreinhaltung in der gesamten EU.



