Kaum ist der Tankrabatt ausgelaufen, verteuern sich Benzin und Diesel drastisch. Der staatliche Eingriff war ein Fehler, das Timing unglücklich. Es gibt bessere Wege, Energiekrisen abzufedern – so lautet die Kernaussage eines Leitartikels von Benedikt Müller-Arnold im SPIEGEL. Die Bürger brauchen Entlastung, aber nicht durch einen neuen Tankrabatt.
Die Fehler des Tankrabatts
Der Tankrabatt, der im Sommer 2026 eingeführt wurde, hat laut Müller-Arnold die erhoffte Wirkung verfehlt. Statt die Verbraucher dauerhaft zu entlasten, habe er lediglich zu einem kurzfristigen Preisrückgang geführt, der nach dem Auslaufen sofort wieder aufgehoben wurde. Die Preise an den Tankstellen seien nun wieder auf einem hohen Niveau, was vor allem Geringverdiener und Pendler treffe. Der Leitartikel kritisiert, dass der Staat mit dem Rabatt in den Markt eingegriffen habe, ohne die strukturellen Probleme der Energieversorgung zu lösen. „Der staatliche Eingriff war ein Fehler“, schreibt Müller-Arnold. „Das Timing war unglücklich, denn er kam zu spät, um die Spitze der Preisexplosion abzufedern, und endete genau in dem Moment, als die Preise erneut anzogen.“
Alternativen zur Entlastung
Statt eines erneuten Tankrabatts plädiert der Autor für gezielte Hilfen für einkommensschwache Haushalte. Ein Beispiel sei die Erhöhung des Wohngelds oder ein einmaliger Heizkostenzuschuss. Auch ein schnellerer Ausbau erneuerbarer Energien sei notwendig, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern. „Die Energiekrise zeigt, dass wir langfristig aus der Abhängigkeit von Öl und Gas herauskommen müssen“, betont Müller-Arnold. „Ein Tankrabatt ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein und löst keine der grundlegenden Probleme.“
Die aktuelle Preissituation
Nach dem Auslaufen des Tankrabatts am 30. Juni 2026 sind die Spritpreise in Deutschland wieder deutlich gestiegen. Laut ADAC kostete ein Liter Super E10 am 20. Juli 2026 im bundesweiten Durchschnitt 2,15 Euro, Diesel lag bei 2,05 Euro. Das ist ein Anstieg von rund 20 Cent pro Liter im Vergleich zur Rabattphase. Besonders betroffen sind Pendler, die täglich auf ihr Auto angewiesen sind, sowie Familien mit geringem Einkommen. Die Bundesregierung hatte den Rabatt als Entlastungsmaßnahme für die Bürger eingeführt, um die hohen Energiepreise abzufedern. Doch die Wirkung war umstritten: Experten des Ifo-Instituts hatten bereits während der Rabattphase kritisiert, dass ein Großteil der Entlastung nicht bei den Verbrauchern ankomme, sondern von den Mineralölkonzernen abgeschöpft werde.
Politische Reaktionen
In der Politik wird nun über mögliche weitere Entlastungen diskutiert. Die SPD fordert eine Wiedereinführung des Tankrabatts, während die Grünen auf einen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs setzen. Die Union lehnt einen neuen Rabatt ab und schlägt stattdessen eine Senkung der Energiesteuer vor. Der Leitartikel des SPIEGEL stellt sich klar gegen einen neuen Tankrabatt: „Die Bürger brauchen Entlastung – aber nicht durch einen neuen Tankrabatt“, heißt es. Stattdessen sollten die Mittel gezielt dort eingesetzt werden, wo die Not am größten ist. „Ein Heizkostenzuschuss für einkommensschwache Haushalte wäre effektiver als eine Gießkanne für alle Autofahrer“, so Müller-Arnold.
Langfristige Lösungen
Der Autor des Leitartikels plädiert für eine grundlegende Neuausrichtung der Energiepolitik. Dazu gehöre nicht nur der Ausbau erneuerbarer Energien, sondern auch die Förderung von Elektromobilität und der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. „Die Energiekrise ist eine Chance, endlich die Weichen für eine nachhaltige Energieversorgung zu stellen“, schreibt Müller-Arnold. „Statt immer neue Rabatte zu beschließen, sollte die Politik die Rahmenbedingungen für eine saubere und bezahlbare Energieversorgung schaffen.“ Der Tankrabatt sei ein Symbol für das kurzfristige Denken in der Politik, das oft an den eigentlichen Problemen vorbeigehe.



