Iran-Konflikt löst Preisschock an Energiemärkten aus
Die jüngste Eskalation des Iran-Konflikts hat unmittelbare Auswirkungen auf die europäischen Energiemärkte. Nach Gegenangriffen des Iran auf US-amerikanische und israelische Ziele kam der Schiffsverkehr durch die strategisch wichtige Straße von Hormus vorübergehend zum Erliegen. Diese Entwicklung löste einen deutlichen Preisanstieg an den Großhandelsmärkten aus, der sich insbesondere bei Erdgas bemerkbar machte.
Großhandelspreise verdoppeln sich zeitweise
An der für Europa bedeutenden niederländischen Börse TTF in Amsterdam schnellte der Preis für eine Megawattstunde Erdgas mit April-Lieferung zeitweise auf fast 66 Euro empor. Dies markierte den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren. Zum Vergleich: Am Freitag vor Kriegsausbruch lag der Preis noch bei knapp 32 Euro. Obwohl die Preise nach Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump über Marineeskorten und Risikoversicherungen für die Region wieder sanken, blieben sie mit etwa 50 Euro pro Megawattstunde am Mittwochnachmittag deutlich über dem Vorkriegsniveau.
Unsicherheit bei Verbraucherpreisen
Die entscheidende Frage für deutsche Haushalte lautet: Werden Strom und Gas jetzt teurer? Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gibt hierzu keine pauschale Prognose ab. „Ob und wie sich die aktuellen Entwicklungen an den Großhandelsmärkten auf Verbraucherpreise für Strom und Gas auswirken, lässt sich nicht allgemein beantworten“, heißt es vom Verband. Entscheidend seien die individuellen Beschaffungsstrategien der Lieferanten und die Vertragskonditionen der Endkunden.
Gasmarktexperte Andreas Schröder vom Analysehaus ICIS betont den Zeitfaktor: „Das wichtigste weltweit ist: Wie lange dauert die Schließung? Sollte der Konflikt morgen vorbei sein, dann können wir das fast vernachlässigen, weil Haushaltskunden meistens Einjahresverträge haben.“ Bei länger andauernden Konflikten könnten jedoch auch für Verbraucher im kommenden Jahr Preissteigerungen folgen.
Prognosen für verschiedene Szenarien
ICIS hat verschiedene Szenarien berechnet:
- Eine vierwöchige Blockade der Straße von Hormus könnte die TTF-Preise noch im März auf 60 Euro je Megawattstunde steigen lassen
- Die Sommerpreise würden dauerhaft etwa 20 Prozent über den Vorkriegspreisen liegen
- Bei einer dreimonatigen Schließung könnten sogar Preise von 85 Euro pro Megawattstunde erreicht werden
Versorgungssicherheit gewährleistet
Trotz der Preisvolatilität sieht die BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae keine unmittelbare Gefahr für die physische Gasversorgung in Deutschland. „Direkte Auswirkungen auf die physische Gasversorgung in Deutschland sind nach aktueller Einschätzung nicht zu erwarten“, erklärt Andreae. Die deutsche Versorgung werde durch mehrere Quellen gesichert:
- Gasspeicher im Inland
- Heimische Förderung
- Pipeline-Importe vor allem aus Norwegen
- LNG-Importe aus verschiedenen Ländern
Schröder weist jedoch auf einen indirekten Effekt hin: Teures Flüssigerdgas (LNG) könnte zu einer stärkeren Entleerung der europäischen Gasspeicher führen, was wiederum einen erhöhten Einspeicherbedarf im Sommer bedeuten würde. Politische Maßnahmen zur Verringerung verpflichtender Einspeichermengen könnten diesem Preisdruck entgegenwirken.
Zusätzliche Faktoren verschärfen die Situation
Neben den direkten Auswirkungen des Iran-Konflikts verschärft ein weiterer Faktor die Lage: Das katarische Unternehmen Qatar Energy hat nach Angriffen auf Betriebsanlagen in zwei Städten die Produktion von Flüssigerdgas (LNG) eingestellt. Da Katar zu den weltweit wichtigsten LNG-Produzenten zählt und etwa 20 Prozent des globalen Flüssigerdgases durch die Straße von Hormus transportiert werden, hat diese Entwicklung zusätzlichen Einfluss auf die Marktdynamik.
Die Entwicklung der Energiepreise bleibt somit eng mit dem weiteren Verlauf des Iran-Konflikts verknüpft. Während die Versorgungssicherheit in Deutschland derzeit als gewährleistet gilt, hängen die Preisentwicklungen für Verbraucher maßgeblich von der Dauer der Krise und den Reaktionen der Energielieferanten ab.



