Iran-Krieg blockiert Öl- und Gas-Lieferungen: Pipelines als Rettungsanker?
Die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für Öl und Gas weltweit, ist durch den anhaltenden Iran-Krieg fast vollständig blockiert. Normalerweise passieren täglich durchschnittlich 129 Schiffe diese Wasserstraße, die den Persischen Golf mit den Weltmeeren verbindet. In den letzten Tagen waren es jedoch nur noch eine Handvoll. Mindestens 16 Schiffe wurden bereits angegriffen, wie die britische Seefahrtsbehörde UKTMO berichtet. Dieser dramatische Rückgang stellt Energie-Schwergewichte wie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar vor immense Herausforderungen, um ihre Kunden weiterhin zu beliefern.
Alternativen zu den Schiffsrouten
Um die Lieferengpässe zu überwinden, setzen die betroffenen Länder nun verstärkt auf Pipelines. Saudi-Arabien nutzt die 1.200 Kilometer lange „Petroline“, die von der Ölanlage Abkaik im Osten zum Hafen Janbu am Roten Meer führt. Die Emirate verfügen über eine 400 Kilometer lange Pipeline zum Golf von Oman, die etwas abseits der gefährdeten Straße von Hormus liegt. Diese Infrastruktur soll helfen, zumindest einen Teil des Öls umzuleiten. Zusätzlich könnte die Sumed-Pipeline in Ägypten, die das Rote Meer mit dem Mittelmeer verbindet, eine Rolle spielen, um Tankschiffe zu entlasten.
Für Katar, den zweitgrößten Exporteur von verflüssigtem Erdgas (LNG), gibt es jedoch aktuell keine praktikable Alternative, um Weltmärkte zu erreichen. Das Land transportiert etwa 93 Prozent seines Gases über die Straße von Hormus, was die Abhängigkeit von dieser Route unterstreicht.
Hürden und Risiken der Umstellung
Die Umstellung von Schiffs- auf Pipeline-Transport ist mit erheblichen Kapazitätsproblemen verbunden. Laut der Internationalen Energie-Agentur (IEA) können die Pipelines in der Region nur etwa ein Viertel der täglich verschifften 20 Millionen Barrel Rohöl transportieren. Zudem lauern neue Gefahren: Die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz hat im Roten Meer bereits Handelsschiffe angegriffen, und weitere Eskalationen sind möglich. Iran selbst könnte seine geografische Position nutzen, um alternative Exportwege zu stören, wie vergangene Drohnenangriffe auf saudische Ölanlagen zeigen.
Auswirkungen auf Europa und globale Märkte
Europa bezieht zwar nur einen kleineren Teil seiner Öl- und Gas-Importe direkt über die Straße von Hormus, doch Preiserhöhungen an den globalen Börsen schlagen auch auf Verbraucher in Deutschland durch. Besonders kritisch ist die Situation beim Kerosin: 39 Prozent der europäischen Importe dieses Flugtreibstoffs wurden im vergangenen Jahr durch die blockierte Wasserstraße verschifft. Experten wie Arne Lohmann Rasmussen von Global Risk Management sehen in den arabischen Pipelines und der Freigabe strategischer Reserven Maßnahmen zur Beruhigung der Märkte. Langfristig könnten zusätzliche Lieferungen aus den USA oder westafrikanischen Produzenten wie Nigeria Abhilfe schaffen.
Die Länder am Golf stehen vor einem Wettlauf gegen die Zeit, um ihre Energieexporte aufrechtzuerhalten. Während Pipelines kurzfristige Lösungen bieten, bleiben die Risiken durch den Iran-Krieg und begrenzte Kapazitäten eine große Herausforderung für die globale Energieversorgung.



