Iran-Krieg blockiert Straße von Hormus: Energie-Schwergewichte suchen alternative Lieferwege
Iran-Krieg blockiert Straße von Hormus: Suche nach Alternativen

Iran-Krieg blockiert Straße von Hormus: Energie-Schwergewichte suchen alternative Lieferwege

Die strategisch entscheidende Straße von Hormus, die den Persischen Golf mit den Weltmeeren verbindet, ist durch den anhaltenden Iran-Krieg praktisch blockiert. Während normalerweise durchschnittlich 129 Schiffe täglich diese wichtige Wasserstraße passieren, sind es aktuell nur noch eine Handvoll. Mindestens 16 Schiffe wurden laut der britischen Seefahrtsbehörde UKTMO bereits angegriffen, darunter der Öltanker Safesea Vishnu, der durch eine iranische Seedrohne schwer beschädigt wurde.

Dramatischer Einbruch der Schifffahrt

Für die großen Energieexporteure der Region hat ein Wettlauf gegen die Zeit begonnen. Saudi-Arabien, das normalerweise 80 Prozent seines Rohöls über die Straße von Hormus verschifft, die Vereinigten Arabischen Emirate mit etwa 65 Prozent und Katar, das etwa 93 Prozent seines verflüssigten Erdgases (LNG) auf diesem Weg transportiert, stehen vor massiven logistischen Herausforderungen. Die faktische Blockade droht, erhebliche Umsatzeinbrüche zu verursachen, wenn nicht schnell alternative Transportwege gefunden werden.

Pipelines als mögliche Auswege

Der Fokus liegt nun vor allem auf bestehenden Pipeline-Systemen. Saudi-Arabien betreibt die 1.200 Kilometer lange Petroline, die von der Ölanlage Abkaik im Osten quer durch die Wüste zum Hafen Janbu am Roten Meer führt. Die Emirate verfügen über eine 400 Kilometer lange Pipeline zum Golf von Oman, die etwas abseits der gefährdeten Straße von Hormus verläuft. Diese beiden Pipelines sollen helfen, zumindest einen Teil des Öls umzuleiten.

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Weiter nördlich könnte die Sumed-Pipeline in Ägypten eine zusätzliche Rolle spielen. Diese 320 Kilometer lange Leitung verläuft parallel zum Suezkanal und verbindet das Rote Meer mit dem Mittelmeer. Tankschiffe, die Öl in Janbu laden, könnten es zu dieser Pipeline transportieren und so zur Überbrückung der Lieferkrise beitragen.

Begrenzte Kapazitäten und neue Gefahren

Die Umstellung von Schiffstransporten auf Pipelines ist jedoch mit erheblichen Einschränkungen verbunden. Laut der Internationalen Energie-Agentur (IEA) können die Pipelines in der Region nur etwa ein Viertel der sonst verschifften 20 Millionen Barrel Rohöl täglich transportieren. Für Katar gibt es aktuell überhaupt keine Alternative zum Schiffsverkehr, um Weltmärkte mit LNG zu beliefern.

Zudem lauern auf den alternativen Routen neue Gefahren. Die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz hat seit 2023 im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg wiederholt Handelsschiffe im Roten Meer angegriffen. Bisher haben sie sich im aktuellen Iran-Krieg zurückgehalten, doch neue Angriffe bleiben jederzeit möglich.

Iranische Eskalationsmöglichkeiten

Irans Streitkräfte nutzen ihren geografischen Vorteil in der Straße von Hormus militärisch geschickt aus. Sollte Öl künftig über andere Wege aus Saudi-Arabien exportiert werden, hätte Teheran weitere Hebel für eine Eskalation. Bereits 2019 wurden saudische Ölanlagen mit Drohnen angegriffen, was zeitweise etwa die Hälfte der saudischen Ölproduktion lahmlegte. Offiziell bekannten sich die Huthi zu dem Angriff, doch die USA, Saudi-Arabien und mehrere europäische Staaten machten Irans Führung dafür verantwortlich.

Im aktuellen Krieg ist Saudi-Arabien bislang weitgehend von umfangreichen iranischen Angriffen verschont geblieben. Die Streitkräfte der Islamischen Republik konzentrieren sich stärker auf US-Ziele in den Golfstaaten, etwa in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Bahrain. Diese Situation könnte sich im Kriegsverlauf jedoch grundlegend ändern.

Strukturelle Herausforderungen und politische Hürden

Die begrenzte Pipeline-Infrastruktur in der Region hat strukturelle Gründe. Bahrain, Katar, Kuwait und der Irak haben anders als Saudi-Arabien keinen direkten Zugang zum Roten Meer. Neue Pipelines dorthin wären nicht nur extrem teuer, sondern aufgrund der zahlreichen Ländergrenzen auch politisch schwer umsetzbar und anfällig für Angriffe und Sabotage.

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Das Ingenieursmagazin ENR sieht in der begrenzten Kapazität der bestehenden Pipelines einen Hinweis darauf, dass die Länder nicht mit einer längerfristigen Blockade der Straße von Hormus oder einem ausgewachsenen Kriegsszenario gerechnet hatten. Der Irak sieht sich nun gezwungen, den Betrieb einer umstrittenen Pipeline durch die Kurdenregion zum türkischen Hafen Ceyhan wieder aufzunehmen.

Auswirkungen auf Europa und globale Märkte

Europa bezieht zwar nur einen kleineren Teil seiner Öl- und Gasimporte direkt über die Straße von Hormus, doch die globalen Auswirkungen sind spürbar. Da Öl und Gas an weltweiten Börsen gehandelt werden, schlagen Preiserhöhungen auch auf Konsumenten in Deutschland durch.

Besonders kritisch ist die Situation beim Flugzeugtreibstoff: Nach einer Analyse der US-Denkfabrik Atlantic Council wurden 39 Prozent der europäischen Kerosinimporte im vergangenen Jahr durch die Straße von Hormus verschifft. Arne Lohmann Rasmussen von der Beraterfirma Global Risk Management betont, dass die arabischen Pipelines und die Freigabe strategischer Reserven darauf abzielen, die Rohölmärkte zu beruhigen.

Mögliche Linderung für die Energiekrise könnten zusätzliche Lieferungen aus den USA bringen. Kurzfristig könnte auch eine Lockerung der US-Sanktionen für den Kauf von russischem Öl weitere Mengen auf den Markt bringen. Für Kerosin nennt der Datenanbieter Kpler längerfristig westafrikanische Produzenten wie Nigeria als mögliche Alternativen für Europa.