Iran-Konflikt treibt Energiepreise: Sprit verteuert sich, Chemieindustrie in Ostdeutschland unter Druck
Iran-Krieg treibt Spritpreise - Chemieindustrie leidet

Iran-Krieg lässt Energiepreise explodieren: Sprit wird teurer, Industrie ächzt

Der eskalierende Konflikt im Nahen Osten treibt die Preise für Öl und Erdgas in die Höhe. Die ersten spürbaren Auswirkungen zeigen sich bereits an deutschen Tankstellen, wo die Kraftstoffpreise deutlich angezogen haben. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat angesichts der angespannten Lage einen Krisenstab einberufen, um die Situation zu überwachen.

Spritpreise erreichen Zweijahreshoch

An den Zapfsäulen macht sich der Iran-Krieg unmittelbar bemerkbar. Nachdem die Preise bereits am Wochenende gestiegen waren, legten sie am Montag erneut um drei bis vier Cent zu. Laut ADAC kostete ein Liter Super E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt am Sonntag 1,794 Euro – das sind 1,6 Cent mehr als am Freitag und der höchste Wert seit zwei Jahren.

Die Eskalation des Konflikts treibt den Ölpreis unter anderem deswegen, weil der Iran den Schiffsverkehr durch die strategisch wichtige Straße von Hormus eingeschränkt hat. Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert täglich diese Meerenge im Persischen Golf, auch Flüssiggastransporte müssen durch dieses Nadelöhr.

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Ministerin beruhigt: Keine Knappheiten erwartet

Auf der regionalpolitischen Jahrestagung des Bundeswirtschaftsministeriums in Halle mit rund 600 Teilnehmern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft versuchte Ministerin Reiche zu beruhigen. „Die Bundesrepublik beziehe kein Öl aus dem Iran und die Region gehöre nicht zu den großen Bezugsquellen“, erklärte die CDU-Politikerin. Deutschland beziehe Öl vor allem aus Norwegen, Kasachstan und den USA, Flüssiggas erhalte man vorwiegend aus den USA.

Trotzdem zeigen sich an den internationalen Märkten deutliche Preissteigerungen: Nordsee-Öl verteuerte sich am Montag um zehn Prozent auf knapp 80 Dollar pro Barrel (159 Liter), während der Erdgaspreis an den Börsen um 25 Prozent nach oben schnellte.

Krisenmechanismus reaktiviert

Wie ernst die Bundesregierung die Lage nimmt, zeigt die Reaktivierung eines Krisenmechanismus. „Man habe wieder die Taskforce ins Leben gerufen, die schon zu Zeiten der Gasmangellage aktiv gewesen sei“, sagte Reiche. Die weitere Entwicklung hänge davon ab, wie lange der Konflikt anhalte und ob wichtige Förderanlagen oder Transportwege betroffen seien.

Chemieindustrie in Ostdeutschland unter Druck

Die steigenden Energiepreise treffen besonders die ohnehin angeschlagene chemische Industrie in Sachsen-Anhalt hart. „Wir haben in etlichen Bereichen unsere Wettbewerbsfähigkeit verloren. Viele Firmen schreiben Verluste“, sagte Nora Schmidt-Kesseler, Hauptgeschäftsführerin des Landesverbands Nordost im Verband der Chemischen Industrie.

Die Verbandschefin forderte weitere Entlastungen bei den Energiepreisen, dem EU-Emissionshandel und bei Genehmigungsverfahren. Carsten Franzke, Geschäftsführer der SKW Stickstoffwerke in Wittenberg, berichtete von „drei schweren Jahren mit Verlusten“ für sein Unternehmen. Ohne einen wettbewerbsfähigen Gaspreis funktioniere das Geschäftsmodell nicht, so Franzke.

Forderungen nach energiepolitischer Souveränität

Der Präsident der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau, Sascha Gläßer, sprach sich für mehr energiepolitische Souveränität und schnellere Entscheidungen beim Ausbau der Versorgung aus: „Subventionierte Industriestrompreise könnten die Wirtschaft höchstens temporär entlasten.“ Gläßer mahnte einen Ausbau des Energieangebotes an und regte sogar Fracking in Deutschland an: „Wir beziehen teures Frackinggas aus den USA. Wir sollten ins Auge fassen, das auch hierzulande zu fördern.“

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) setzt sich für schnellere Reformen und bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen ein: „Wir müssen schneller werden. Andere Weltregionen warten nicht auf Deutschland.“ Der Regierungschef betonte, man dürfe keine Angst vor neuen Technologien wie Künstlicher Intelligenz haben – wenn man bei der Geschwindigkeit nicht mithalte, würden andere die Entwicklung bestimmen.

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