Iran-Krieg verschärft LNG-Konkurrenz: Deutsche Gasversorgung unter Druck
Iran-Krieg verschärft LNG-Konkurrenz für Deutschland

Eskalation im Mittleren Osten: LNG-Markt in Aufruhr

Der anhaltende Iran-Krieg bringt den Weltmarkt für Flüssigerdgas (LNG) erheblich durcheinander. Sowohl die Produktion als auch der Transport des wichtigen Energieträgers sind massiv gestört. Diese Entwicklung hat direkte Auswirkungen auf die Verbraucher in Deutschland und die hiesige Infrastruktur.

Produktionsstätten und Transportwege blockiert

Der Iran hat zuletzt die weltweit größte LNG-Exportanlage Ras Laffan in Katar attackiert. Katar zählt zu den wichtigsten LNG-Produzenten weltweit. Zusätzlich steht der Schiffsverkehr in der strategisch entscheidenden Straße von Hormus zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman nahezu still. Normalerweise werden durch diese Meerenge etwa 20 Prozent des weltweiten Flüssigerdgases transportiert.

Deutsche Terminals bisher unbeeinträchtigt

An den deutschen LNG-Importterminals in Wilhelmshaven, Brunsbüttel und Mukran auf Rügen hat der Iran-Krieg bislang kaum spürbare Folgen für den Umschlag. Die Betreiber melden weiterhin reguläre Betriebsabläufe.

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Die bundeseigene Deutsche Energy Terminal Gesellschaft (DET), die die Terminals in Wilhelmshaven und Brunsbüttel betreibt, teilt mit: „Lieferungen aus der Golf-Region hatten wir seit Anfang 2023 nur sehr vereinzelt. Absagen von Cargos liegen an den DET-Terminals momentan nicht vor.“

Auch der Betreiber Deutsche Regas für das Rügener Terminal bestätigt: „Bisher wurde seit Beginn des Iran-Kriegs ein Slot durch unsere Kunden nicht genutzt.“ Die Gründe hierfür könnten nur die Energiehändler selbst benennen.

Deutschlands LNG-Quellen: Dominanz der USA

Fast alle LNG-Tanker, die deutsche Terminals anlaufen, stammen aktuell aus den Vereinigten Staaten. Nach Berechnungen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) lag der Anteil der deutschen LNG-Importe 2025 aus den USA bei rund 94 Prozent. Insgesamt wurden 2025 über die deutschen LNG-Terminals 106 Terrawattstunden (TWh) Erdgas importiert. Aus Katar hat Deutschland in diesem Zeitraum nach Verbandsangaben kein LNG bezogen.

Verschärfte Konkurrenz zwischen Europa und Asien

„20 Prozent des bisherigen LNG auf dem Weltmarkt fehlen. Davon ging zuvor ein großer Teil in Richtung Asien“, erklärt Gasexperte Sebastian Gulbis vom Beratungsunternehmen Enervis. Diese Entwicklung könnte die Konkurrenz zwischen Asien und Europa um LNG-Lieferungen deutlich verschärfen.

Gulbis erläutert weiter: „Das ist erstmal typisch, aber dieser Wettbewerb um diese Mengen, der wird sich jetzt natürlich deutlich verschärfen.“ Wenn im Sommer in Europa die Speicher wieder befüllt werden sollen, Asien aber gleichzeitig Gas für die Stromerzeugung etwa für Klimaanlagen benötigt, sei ein intensiver Preiskampf sehr wahrscheinlich.

Besorgniserregende Situation für den kommenden Winter

Die deutschen Erdgasspeicher sind nach diesem Winter nur noch zu etwa 20 Prozent gefüllt – ein im Vergleich zu Vorjahren äußerst niedriger Füllstand. Gleichzeitig sind die aktuellen Gaspreise auf hohem Niveau.

Sebastian Heinermann, Geschäftsführer der Initiative Energien Speichern (Ines), warnt: „Gas ist für den kommenden Winter derzeit günstiger als für den Sommer verfügbar. Damit fehlen dem Markt derzeit jegliche ökonomischen Anreize zur Einspeicherung von Gas in die Speicher.“ Vor dem Hintergrund der historisch niedrigen Ausgangsfüllstände stelle dies ein erhebliches Risiko für die Vorbereitung der kommenden Winterversorgung dar.

Energieexperte Gulbis ergänzt: „Ich hätte mir gewünscht, dass wir früher die Frage beantwortet hätten: Wie können wir die Versorgungssicherheit beispielsweise über eine strategische Speicherreserve sicherstellen.“

Falls die wirtschaftlichen Anreize für eine Einspeicherung ausbleiben, hält Gulbis sogar „eine Art Zwangsbefüllung der Speicher“ für möglich. In diesem Fall würden steigende Preise bei den LNG-Importen sehr wahrscheinlich.

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Rolle der LNG-Terminals bei Speicherbefüllung

Angesichts des Anteils von rund 10 Prozent (Gesamtjahr 2025) bei den deutschen Gasimporten spielen die deutschen LNG-Terminals eine eher untergeordnete Rolle bei der Befüllung der Gasspeicher. Heinermann von Ines erklärt: „Die LNG-Terminals in Deutschland sind dafür nicht zwingend erforderlich, aber können natürlich einen Beitrag leisten.“ Grundsätzlich werde Europa jedoch erhöhte LNG-Importe benötigen, um die im gesamten EU-Binnenmarkt zuletzt stark geleerten Speicher erneut zu befüllen.

Abhängigkeit von den USA: Eine neue Sorge?

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte zuletzt mit Blick auf die LNG-Lieferungen aus den USA gewarnt, die USA seien unter Präsident Donald Trump ein „zunehmend unberechenbarer Partner“. DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner sagte im Januar: „Donald Trump nutzt die Gaslieferungen gezielt, um Europa und Deutschland in eine fatale fossile Abhängigkeit zu drängen.“

Tatsächlich kamen fast 90 Prozent der Gesamt-Erdgasimporte nach Deutschland 2025 per Pipeline, vor allem aus Norwegen und den Niederlanden. Dennoch warnt Gasexperte Gulbis: „Wenn die US-amerikanischen LNG-Lieferungen komplett ausfallen würden, aus welchen Gründen auch immer, dann denke ich, haben wir einfach ein Problem.“

Die Situation bleibt angespannt. Während die deutschen Terminals aktuell weiterhin beliefert werden, könnten sich die globalen Verwerfungen durch den Iran-Krieg in den kommenden Monaten deutlich auf Preise und Verfügbarkeit auswirken – besonders mit Blick auf die kritische Winterversorgung.