Kasachstan bestätigt möglichen Stopp von Öltransporten nach Schwedt
Die Ölraffinerie PCK in Schwedt (Brandenburg) bezieht seit geraumer Zeit kein russisches Öl mehr, ist aber auf Lieferungen aus Kasachstan angewiesen, die über die durch Russland verlaufende Druschba-Pipeline transportiert werden. Nun droht dieser Transit ab Mai möglicherweise zum Erliegen zu kommen. Kasachstan hat unter Verweis auf inoffizielle Quellen bestätigt, dass der Transport von Öl aus Kasachstan über Russland und die Druschba-Pipeline nach Deutschland ab Mai gefährdet ist.
Eine offizielle Erklärung Russlands gebe es nicht, sagte der Energieminister des zentralasiatischen Landes, Jerlan Akkenschenow, am Rande eines Umweltforums in der Hauptstadt Astana. „Aber nach inoffiziellen Quellen wissen wir, dass das wahr ist.“ Russland habe den Transit von Öl aus Kasachstan über die Pipeline Druschba und weiter zum Werk Schwedt mit Null eingeplant.
Technische Gründe oder politisches Kalkül?
Inoffiziell habe Russland dies damit erklärt, dass die technischen Möglichkeiten für den Transport von Öl aus Kasachstan nicht gegeben seien. Akkenschenow mutmaßte, dass dies mit jüngsten Angriffen auf die russische Infrastruktur zusammenhänge. Er verwies auf Gespräche mit „Kollegen“, wonach der Transit kasachischen Öls wieder aufgenommen werde, sobald die Frage der technischen Machbarkeit geklärt sei. Kasachstan plane nicht, die Ölförderung zu verringern. Es gebe Möglichkeit, diese Menge über andere Routen umzuverteilen.
Rosneft Deutschland prüft Alternativen
Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hat die unter Treuhand stehende deutsche Tochter der russischen Rosneft eine Benachrichtigung über ihre kasachischen Partner bekommen, dass es ab Mai Schwierigkeiten beim Transport von Öl aus Kasachstan über die Druschba-Pipeline geben soll. Ein Sprecher von Rosneft Deutschland, Burkhard Woelki, sagte der dpa: „Wir müssen prüfen, wie wir gegebenenfalls Ersatzlieferungen sicherstellen können, damit die PCK weiterhin voll produzieren kann.“ Es sei keine unlösbare Situation für die PCK eingetreten. „Wir sind dabei, die Auswirkungen genau zu prüfen.“
Der Kreml kommentierte den kolportierten Transitstopp der Druschba-Pipeline zunächst nicht. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, er wisse nichts davon, dazu müsse sich die Presse an die betroffenen Konzerne wenden.
Hintergrund: PCK-Raffinerie und alternative Routen
Die Ölraffinerie PCK im Nordosten Brandenburgs bezieht kein russisches Öl mehr, erhält aber über die Druschba-Pipeline, die durch Russland verläuft, Öl aus Kasachstan. Dieses Öl ist wichtig, um die Auslastung der Raffinerie hochzuhalten. Zudem kommt Rohöl über eine Pipeline von Rostock nach Schwedt. Sollte der Transit aus Kasachstan tatsächlich gestoppt werden, müsste die Raffinerie auf andere Quellen zurückgreifen.
Ukraine meldet Reparatur an anderem Druschba-Abschnitt
Die Berichte über einen möglichen Transitstopp des Öls aus Kasachstan kommen, während sich in einem Konflikt um einen anderen Abschnitt der Erdölleitung eine Lösung abzeichnet: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am Vorabend die Reparatur der Druschba-Pipeline auf dem Gebiet seines Landes verkündet. Ende Januar hatte eine russische Drohne im westukrainischen Brody nach Angaben aus Kiew Anlagen der Pipeline beschädigt. Infolgedessen wurde der Transit russischen Erdöls über die Ukraine in die Slowakei und Ungarn unterbrochen. Die beiden Nachbarstaaten der Ukraine bezweifelten die Darstellung von Kiew zu den Schäden an der Erdölleitung und forderten eine unabhängige Inspektion. Budapest blockierte die Zahlung der ersten Tranche des im Dezember zugesagten EU-Kredits von insgesamt 90 Milliarden Euro.



