Kerosin-Krise in Schwedt: Droht Russland mit Stopp der kasachischen Öllieferungen?
Die Bundesregierung gab zwar Entwarnung, doch die angespannte Lage bei der Kerosin-Versorgung bleibt besorgniserregend. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Verkehrsminister Patrick Schnieder betonten in einer gemeinsamen Erklärung, dass „die Versorgung mit Kerosin in Deutschland aktuell gesichert ist“. Gleichzeitig räumten sie ein, dass der Markt angespannt ist und die Preise steigen. Die Minister behalten die Entwicklung engmaschig im Blick, insbesondere die Versorgungsstrukturen und verfügbaren Raffineriekapazitäten.
Schwedt als Schlüsselstandort für die Kerosin-Versorgung
Die PCK-Raffinerie in Schwedt im Land Brandenburg ist die viertgrößte Raffinerie Deutschlands und belegt beim Kerosin sogar den zweiten Platz. Das Werk liefert etwa 450.000 Tonnen Kerosin pro Jahr und versorgt unter anderem den Hauptstadtflughafen BER in Berlin. Nach dem Importstopp für russisches Öl musste sich die Raffinerie neue Quellen erschließen und bezieht nun Öl aus Kasachstan – zwischen 130.000 und 200.000 Tonnen monatlich.
Die PCK gehört zu 54 Prozent deutschen Töchtern des russischen Staatskonzerns Rosneft, steht aber aufgrund des Ukraine-Kriegs unter Treuhandverwaltung des Bundes. Nach schwierigen Jahren mit geringer Auslastung arbeitet die Raffinerie mittlerweile wieder mit einer 90-prozentigen Kapazität und ist gut im Markt positioniert.
Drohende Gefahr: Russland könnte kasachisches Öl stoppen
Aktuelle Medienberichte deuten darauf hin, dass Russland zum 1. Mai die Durchleitung von kasachischem Öl zur Raffinerie in Schwedt stoppen könnte. Der Brandenburger Bundestagsabgeordnete Christian Görke (Linke) warnt vor einer „ernsten, ja dramatischen Situation“ für die PCK und die Energieversorgung großer Teile Deutschlands. Das kasachische Schweröl sei derzeit die Lebensader der Raffinerie und nur schwer zu ersetzen.
Görke kritisiert scharf, dass die letzten beiden Bundesregierungen bei der Ertüchtigung der Pipeline von Rostock nach Schwedt vier Jahre lang nichts erreicht haben. Er fordert, dass die Bundesregierung sofort nach Brüssel fährt, um das Genehmigungsverfahren endlich abzuschließen. Wer nicht erkenne, dass die staatliche Übernahme der Rosneft-Anteile notwendig ist, gefährde tausende Arbeitsplätze und die Energiesicherheit in weiten Teilen Deutschlands.
Globale Ölmärkte und deutsche Abhängigkeiten
Die weltweit größten Ölvorkommen liegen in Venezuela mit über 300 Milliarden Barrel, doch die Förderung ist dort aufgrund innenpolitischer Konflikte fast zum Erliegen gekommen. Saudi-Arabien verfügt über etwa 270 Milliarden Barrel, der Iran über rund 210 Milliarden. Derzeit fördern die USA das meiste Öl und haben einen Marktanteil von 20 Prozent, während Saudi-Arabien bei etwa elf Prozent liegt.
Laut dem Statistischen Bundesamt deckte Deutschland im Jahr 2025 nur 6,1 Prozent seines Rohölbedarfs aus dem Nahen Osten – hauptsächlich aus dem Irak, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und Israel. Staaten wie Oman, Katar, Kuwait oder Iran lieferten kein Rohöl nach Deutschland. Während 2020 noch fast ein Drittel des Rohstoffs aus Russland kam, sind heute Norwegen, die USA, Libyen und Kasachstan die vier Hauptlieferanten.
Die Diversifizierung der Lieferquellen hat zwar Fortschritte gemacht, doch die aktuelle Bedrohung durch einen möglichen Stopp der kasachischen Öllieferungen zeigt, wie fragil die Energieversorgung bleibt. Die PCK-Raffinerie in Schwedt steht im Zentrum dieser Krise – ihre Zukunft hängt nicht nur von politischen Entscheidungen ab, sondern auch von der schnellen Lösung infrastruktureller Engpässe.



