Die angespannte Lage auf dem Kerosin-Markt führt bereits zu Flugausfällen. Ein Bericht des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, der dem Nordkurier vorliegt, nennt alarmierende Zahlen: Die Kerosinreserven in Deutschland reichen nur noch fünf Monate.
Ursache: Blockade der Straße von Hormus
Durch den Iran-Krieg und die de facto Blockade der Straße von Hormus können derzeit keine Kraftstoffe aus den Golfstaaten importiert werden. Besonders betroffen ist Flugturbinenkraftstoff, also Kerosin. Die Internationale Energieagentur (IEA) gibt den Anteil der Kerosinimporte aus dem Nahen Osten am europäischen Bedarf für 2025 mit rund 23 Prozent an. Im Jahr 2025 produzierten die Raffinerien in der EU etwa 60 Prozent des EU-Bedarfs, die deutschen Raffinerien rund 50 Prozent des deutschen Bedarfs.
Produktion und Importe
Laut Daten des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) wurden 2025 in deutschen Raffinerien 4,5 Millionen Tonnen Kerosin produziert, während netto etwa 4,7 Millionen Tonnen importiert wurden. Viele deutsche und europäische Raffinerien haben zwar Spielräume, um den Kerosinanteil zu Lasten von Diesel und Heizöl zu erhöhen, doch das bestehende Defizit kann kurzfristig nicht vollständig ausgeglichen werden.
Prognose: Knappheit in den kommenden Monaten
Aus der Mineralölbranche und den Luftfahrtunternehmen ist zu hören, dass bei einer länger anhaltenden Blockade der Straße von Hormus in den kommenden Monaten mit Knappheiten gerechnet werden muss. Der Kerosinverbrauch steigt zudem aufgrund der sommerlichen Reisetätigkeit. Der Bericht hält fest: „Unter der Annahme einer fortdauernden Sperrung der Straße von Hormus, in Kombination mit weiterhin verfügbaren – wenn auch eingeschränkten – Kerosinimporten sowie der Eigenproduktion entsprächen die verfügbaren Mengen einer Volldeckung des deutschen Kerosinbedarfs von bis zu 5 Monaten.“ Allerdings sei die Situation in Gesamteuropa unklar, sodass sich die Berechnung ändern könnte.



