Kerosinengpässe bedrohen europäischen Luftverkehr – Urlaubsflüge werden teurer
Die Debatte über hohe Spritpreise hat diese Woche eine neue Dimension erreicht: Sie wurde von der Diskussion über explodierende Kerosinkosten abgelöst. Die Internationale Energieagentur (IEA) warnte am vergangenen Donnerstag, dass Flugbenzin in Teilen Europas aufgrund der angespannten Lage in der Straße von Hormus in den kommenden sechs Wochen knapp werden könnte.
Turkish Airlines streicht wichtige Verbindung von Leipzig/Halle
Wie zur Bestätigung dieser Prognose gab Turkish Airlines nur einen Tag später bekannt, ihre Strecken vom Flughafen Leipzig/Halle nach Istanbul ab dem 2. Mai einzustellen. Der mitteldeutsche Airport verliert damit eine weitere bedeutende Verbindung zu einem internationalen Drehkreuz. In einem Schreiben an Reisebüros nannte die Airline als Gründe die Folgen des Iran-Konflikts, der die Kerosinpreise zuletzt dramatisch in die Höhe getrieben hat.
Die Verbindung bestand seit dem Jahr 2012 und wurde nach Angaben von Flughafensprecher Uwe Schuhart „sehr gut angenommen“. Vor allem Reisende mit Zielen in Asien und Afrika nutzten Istanbul, den inzwischen größten europäischen Flughafen, als wichtigen Umsteigepunkt. Betroffenen Kunden werden nun Umbuchungen nach Berlin angeboten.
Fluggesellschaften reagieren mit Treibstoffzuschlägen
Die Passagiere müssen sich auf spürbar höhere Ticketpreise einstellen. Der Kerosinpreis hat sich nahezu verdoppelt, was Airlines zu drastischen Maßnahmen zwingt. Erste Gesellschaften verlangen bereits einen Treibstoffbonus: Ab Mai erhebt die Ferienairline Sunexpress bei allen neuen Buchungen einen Kerosinzuschlag von zehn Euro pro Passagier auf Flügen zwischen der Türkei und Europa. Die Air France-KLM Gruppe hat den Treibstoffzuschlag für Langstreckenflüge sogar von 50 auf 100 Euro pro Ticket erhöht.
Sommerurlaub trotzdem bezahlbar? Marktmechanismen wirken
Wird der Sommerurlaub mit dem Flieger nun unerschwinglich teuer? Eine pauschale Aussage lässt sich bislang nicht treffen. Denn die politische Krise im Nahen Osten und die wirtschaftliche Flaute in Deutschland führen paradoxerweise dazu, dass weniger gebucht wird. Die Nachfrage nach Sonnenzielen wie Ägypten sinkt spürbar, und laut einer aktuellen Studie des Vergleichsportals Holiday-Check fallen damit auch die Preise für Pauschalreisen in einzelne Urlaubsorte.
Auf der beliebten Urlaubsinsel Mallorca haben Hotelbesitzer zuletzt so stark an der Preisschraube gedreht, dass viele Reisende abwinken. Auch dort ist der Pauschalurlaub trotz höherer Flugkosten zuletzt günstiger geworden – ein klassisches Beispiel dafür, wie die Marktwirtschaft wirkt.
Europas Kerosinversorgung: Selbstversorgung mit Risiken
Europa versorgt sich zu 70 bis 80 Prozent selbst mit Kerosin aus hiesigen Raffinerien. Beim importierten Flugbenzin ist die Abhängigkeit von den Golfstaaten jedoch erheblich. Das bedeutet: Ein nicht unerheblicher Teil des Kerosins müsste möglicherweise eingespart werden. Fachleute halten dies für machbar. Derzeit deutet alles darauf hin, dass der Sommerurlaub in der Ferne trotz der Kerosinknappheit sicher bleibt – wenn auch zu höheren Kosten.
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