Klimawandel und Heuschnupfen: Eine wachsende Belastung für Allergiker
Die Klimakrise wird in Europa zunehmend zur Gesundheitsgefahr. Neben mehr Hitzetoten und neuen Krankheiten leiden auch Allergiker stärker unter den Folgen. Die Pollen-Saison beginnt inzwischen ein bis zwei Wochen früher als noch vor Jahrzehnten. Der Klimawandel hat direkte Auswirkungen auf den Heuschnupfen: Höhere Temperaturen verlängern und intensivieren die Pollen-Saison. Milde Winter und ein wärmeres Frühjahr lassen Pflanzen wie Hasel und Erle oft schon im Januar oder früher blühen. Die Saison dauert länger bis in den Herbst an.
Hitze, Trockenheit und Luftverschmutzung setzen die Pflanzen zusätzlich unter Stress. Die Folge: Sie produzieren mehr Pollen und setzen mehr Eiweiße frei, die heftigere allergische Reaktionen auslösen. Zudem lassen steigende CO₂-Konzentrationen Pflanzen stärker wachsen und mehr, oft auch aggressivere Pollen produzieren. Hinzu kommen invasive Pflanzenarten wie Ambrosia oder der Götterbaum, die sich durch die Erwärmung auch in unseren Breitengraden ausbreiten und neue Belastungen darstellen. Allergiesymptome treten häufiger und heftiger auf.
Häufiger Fehler bei der Einnahme von Allergie-Tabletten
Viele Allergiker greifen morgens zur Tablette und spülen sie ganz selbstverständlich mit Kaffee herunter. Doch genau das ist keine gute Idee. Experten raten davon ab, Allergie-Medikamente zusammen mit Kaffee einzunehmen. Der Grund: Koffein kann die Wirkung der sogenannten Antihistaminika beeinflussen. Zwar werden Medikamente wie Cetirizin oder Loratadin nicht komplett unwirksam, ihre Aufnahme im Körper kann jedoch gestört werden. Bei bestimmten Wirkstoffen kann Kaffee sogar dazu führen, dass weniger Wirkstoff im Blut ankommt – die Tablette wirkt dann schwächer als gewünscht.
Kaffee kann bei empfindlichen Menschen zudem die Histamin-Freisetzung im Körper fördern und Symptome zusätzlich verstärken. Hinzu kommt, dass sich Nebenwirkungen verändern können. Während einige Allergiemittel müde machen, wirkt Kaffee anregend. Diese gegensätzlichen Effekte können den Körper belasten und unter Umständen zu Unruhe oder Herzklopfen führen. Auch der Magen kann empfindlich reagieren, da Kaffee die Schleimhaut zusätzlich reizt. Besser ist es daher, Allergie-Tabletten grundsätzlich mit einem Glas Wasser einzunehmen. Wer nicht auf seinen Morgen-Kaffee verzichten möchte, sollte zumindest etwas Abstand lassen – etwa 30 bis 60 Minuten.
Weitere Gesundheitsfolgen des Klimawandels
Laut dem „Lancet Countdown Europe Report 2026“ ist die Zahl der Hitzetoten in fast allen Regionen deutlich gestiegen – im Schnitt um 52 Todesfälle pro Million Einwohner. Studienleiter Joacim Rocklöv warnt: „Wir sehen sehr deutlich, dass der durch die Nutzung von fossilen Brennstoffen angetriebene Klimawandel eine wachsende Bedrohung für die Gesundheit einer immer größer werdenden Zahl von Menschen in Europa darstellt.“
Parallel dazu ist auch die Zahl der Hitze-Warnungen massiv gestiegen – im Schnitt um 318 Prozent, in Westeuropa sogar um 450 Prozent. Doch die Hitze ist nicht das einzige Problem. Gleichzeitig breiten sich Krankheiten aus, die bisher vor allem in tropischen Regionen vorkamen. So ist das Risiko für eine Übertragung des Dengue-Virus in Europa im Zeitraum 2015 bis 2024 gegenüber 1980 bis 2010 um 297 Prozent gestiegen. Auch andere Infektionskrankheiten könnten sich durch die Ausbreitung von Stechmücken künftig stärker verbreiten.
Ein vermeintlich klimafreundlicher Energieträger sorgt ebenfalls für Probleme: Beim Verbrennen von Biomasse entstehen gesundheitsschädliche Stoffe – die Zahl der dadurch verursachten Todesfälle ist laut Bericht leicht gestiegen. Die Forscher fordern deshalb dringend mehr Einsatz im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels. Rocklöv betont: „Die Entscheidungen, die wir jetzt treffen, werden darüber entscheiden, ob sich die Gesundheitsfolgen rasch verschärfen oder ob wir uns auf ein sichereres, gerechteres und resilienteres Europa zubewegen.“



