Veraltete Infrastruktur: Inselweiter Stromausfall auf Kuba
Das Stromnetz Kubas ist am Montag vollständig zusammengebrochen. Rund zehn Millionen Menschen waren ohne Stromversorgung, wie der staatliche Netzbetreiber UNE mitteilte. Das Unternehmen untersucht derzeit die genauen Ursachen für den katastrophalen Blackout, der die gesamte Insel lahmlegte.
Teil einer sich verschärfenden Energiekrise
Der Vorfall ist der jüngste in einer Reihe von großflächigen Stromausfällen, die in dem kommunistisch regierten Land mit knapp zehn Millionen Einwohnern immer wieder auftreten und teilweise Tage andauern. Am Wochenende hatten die anhaltenden Stromausfälle bereits zu seltenen gewaltsamen Protesten auf dem Karibikstaat geführt, was die angespannte Lage weiter zuspitzte.
Keine Treibstofflieferungen seit drei Monaten
Die Energieversorgung der Karibikinsel stützt sich hauptsächlich auf veraltete, ölbefeuerte Kraftwerke. Venezuela spielte lange eine zentrale Rolle bei der Ölversorgung Kubas. Allerdings nahmen die USA Anfang Januar den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro in Venezuela fest und überführten ihn in die USA. Präsident Donald Trump hat venezolanische Öllieferungen nach Kuba unterbunden und drohte jedem Land mit Zöllen, das Öl an die Insel verkauft.
Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel erklärte vergangene Woche, sein Land habe seit drei Monaten keine Treibstofflieferungen mehr erhalten. Um die chronischen Engpässe abzufedern, setzte Kuba auch schwimmende Kraftwerksschiffe aus der Türkei sowie dezentrale Dieselgeneratoren ein. Am Freitag teilte die Regierung in Havanna mit, Gespräche mit den USA aufgenommen zu haben, um eine Lösung für die prekäre Situation zu finden.
Ausbau erneuerbarer Energien und anhaltende Defizite
Zuletzt trieb Havanna mit chinesischer Unterstützung den Ausbau erneuerbarer Energien voran. Díaz-Canel erklärte Anfang des Jahres, dass Solaranlagen inzwischen rund 1000 Megawatt beisteuerten. Das entspreche etwa 38 Prozent der tagsüber erzeugten Energie. Dennoch deckt das Angebot die Nachfrage oft nicht: Einem Bedarf von mehr als 3000 Megawatt stand zuletzt häufig eine Erzeugungskapazität von weniger als 2000 Megawatt gegenüber.
Die strukturellen Probleme des kubanischen Energiesystems sind tiefgreifend. Die veraltete Infrastruktur, kombiniert mit den internationalen Sanktionen und Lieferengpässen, führt zu einer anhaltenden Instabilität. Die Bevölkerung leidet unter den regelmäßigen Blackouts, die nicht nur den Alltag beeinträchtigen, sondern auch wirtschaftliche Aktivitäten lahmlegen und soziale Unruhen schüren.
Die aktuelle Krise unterstreicht die dringende Notwendigkeit für umfassende Reformen und Investitionen in das Stromnetz. Ohne eine nachhaltige Lösung droht die Situation sich weiter zu verschlimmern, mit potenziell schwerwiegenden Folgen für die Stabilität des Landes und das Wohlergehen seiner Bürger.



