Kurze Stromverträge bei Stadtwerken Rostock günstiger als langfristige Tarife
Rostock • Wer aktuell nach einem neuen Stromvertrag bei den Stadtwerken Rostock sucht, erlebt eine ungewöhnliche Preisstruktur. Entgegen der allgemeinen Erwartung sind Verträge mit kurzer Laufzeit derzeit günstiger als langfristige Tarife mit Preisgarantie über mehrere Jahre.
Die ungewöhnliche Preisstruktur im Detail
Die Rostocker Stadtwerke (SWRAG) bieten auf ihrer Webseite drei Sonderverträge für einen Jahresverbrauch von 1500 kWh in der Rostocker Stadtmitte an: Ostsee-Strom Regio-Plus, Ostsee-Strom Plus und Ostsee-Strom Pur. Dazu kommt die reguläre Grundversorgung mit einem monatlichen Preis von 53 Euro.
Die Preise für Verträge mit kürzeren Laufzeiten zeigen ein überraschendes Bild:
- Der Tarif Regio-Plus kostet bei zwölfmonatiger Laufzeit 51 Euro monatlich
- Der Plus-Vertrag wird mit 50 Euro pro Monat veranschlagt
- Der Pur-Tarif liegt bei 49 Euro monatlich
Noch interessanter wird der Vergleich bei den Verträgen mit längerer Laufzeit. Sowohl der Regio-Plus als auch der Plus-Vertrag können für 24 Monate abgeschlossen werden und kosten dann stabil zwei Jahre lang 52 beziehungsweise 50 Euro pro Monat. Der Pur-Vertrag ist sogar mit nur einem Monat Laufzeit verfügbar und kostet aktuell lediglich 48 Euro.
Die Gründe für die ungewöhnliche Preisgestaltung
Alexander Christen, Sprecher der Stadtwerke Rostock, erklärt die Preisunterschiede mit der komplexen Zusammensetzung des Energiepreises und unterschiedlichen Beschaffungsstrategien. „Die Stadtwerke Rostock kaufen die Energiemengen zum Großteil langfristig über mehrere Jahre im Voraus ein“, so Christen. „Die Preise für zukünftige Lieferzeiträume ergeben sich immer aus der Marktsituation. Dabei können langfristige Beschaffungen für Verträge mit langer Preisgarantie teilweise teurer sein als kurzfristige Beschaffungen.“
Der Energiepreis setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen, die unterschiedlichen Entwicklungen unterliegen. Neben dem Beschaffungspreis für Strom und Gas als wesentlichem Bestandteil spielen auch die Netzentgelte eine wichtige Rolle. Diese haben sich laut den Stadtwerken in den letzten Jahren tendenziell nach oben entwickelt. Durch den notwendigen Stromnetzausbau sei hier auch in Zukunft mit weiteren Anstiegen zu rechnen.
Marktvolatilität und Beschaffungsstrategie
Seit der Energiekrise sind größere Preisschwankungen am Energiemarkt zu beobachten. „Aktuelle Ereignisse haben einen großen Einfluss auf die Preise. Insbesondere der Spot-Markt für kurzfristigen Energieeinkauf ist davon betroffen“, berichtet Christen weiter.
Die Stadtwerke verfolgen eine Strategie, bei der sie langfristig in Teilmengen zu verschiedenen Zeitpunkten Energie beschaffen. „Diese Strategie minimiert das Risiko stark schwankender Energiepreise an der Börse“, erklärt der SWRAG-Sprecher. Gleichzeitig soll dieses Vorgehen die Kunden vor plötzlichen und starken Preiserhöhungen schützen.
Ähnliche Situation bei Gastarifen und Kundenverhalten
Eine vergleichbare Situation zeigt sich bei den Gastarifen der Stadtwerke. Auch hier können Verträge mit längerer Preisgarantie teurer ausfallen als flexible Tarifmodelle mit kürzerer Laufzeit.
Wie sich die Preise im Detail in Zukunft entwickeln werden, ist schwer vorherzusagen. „An Spekulationen beteiligen wir uns generell nicht“, betont Christen. Die meisten Kunden würden derzeit Verträge mit zwölfmonatiger Laufzeit und entsprechender Preisgarantie abschließen, was auf eine gewisse Vorsicht der Verbraucher hindeutet.
Die ungewöhnliche Preisstruktur bei den Stadtwerken Rostock zeigt, wie komplex die Energiebeschaffung in Zeiten volatiler Märkte geworden ist. Verbraucher sollten daher genau prüfen, welche Vertragslaufzeit und Preisgarantie für ihre individuelle Situation am sinnvollsten ist.



