Ab dem 1. Mai wird die PCK-Raffinerie in Schwedt nicht mehr über die Pipeline Druschba mit Öl aus Kasachstan beliefert. Russland dreht den Hahn zu – ein harter Schlag für das Traditionsunternehmen in der Uckermark. Die Bundesregierung sucht fieberhaft nach einer Lösung und setzt dabei auf Gespräche mit Polen.
Polnischer Konzern Orlen im Gespräch
Kommt die Rettung aus dem Osten für den Osten? Der polnische Energiemultikonzern Orlen könnte die Gesellschafteranteile von Rosneft Deutschland an der PCK-Ölraffinerie übernehmen. Diese Anteile des russischen Erzfeindes waren kurz nach Beginn des Ukraine-Krieges unter die Treuhänderschaft der Bundesnetzagentur gestellt worden. In Berlin, Schwedt und Polen wird nun intensiv über diese Möglichkeit diskutiert. Die Ankündigung von Rosneft Deutschland, dass Russland zum 1. Mai den Durchfluss des kasachischen Öls stoppt, hat die ohnehin hitzige Debatte um Energiesicherheit weiter angeheizt.
Ersatzlieferungen aus Danzig
Laut Recherchen des Nordkurier weilt Frank Wetzel, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, in dieser Woche zu Gesprächen mit der polnischen Regierung in Warschau. Aus dem Haus von Ministerin Katherina Reiche (CDU) hieß es am Dienstag: „Wir sind in Gesprächen mit Polen, um zu prüfen, ob kurzfristig und temporär Ersatzlieferungen über Danzig möglich sind. Ich kann den Gesprächen nicht vorgreifen, insofern mich noch nicht zu Einzelheiten äußern“, sagte eine Sprecherin.
Das Wirtschaftsministerium machte deutlich, dass die Bundesregierung bereit sei, das Unternehmen dabei zu unterstützen, die entfallenden Rohöllieferungen über alternative Bezugswege zu substituieren. Die Pipeline vom polnischen Ostseehafen Danzig nach Schwedt wäre eine zweite Leitung, die die Raffinerie in der Uckermark mit Öl versorgen könnte. PCK bezieht auch Öl über die Pipeline Rostock-Schwedt, doch diese Leitung ist nicht leistungsstark genug. Zu Spekulationen, dass der polnische Konzern Orlen beim PCK einsteigt, wollte sich die Sprecherin nicht weiter äußern.
Rosneft Deutschland in der Verantwortung
Laut Reiche-Ministerium prüfe Rosneft Deutschland derzeit die Auswirkungen des Öl-Stopps aus Kasachstan und werde sich einer etwaigen neuen Lage anpassen. „Rosneft Deutschland ist sich dabei seiner Verantwortung des Standortes bewusst und wird seine Verpflichtungen einhalten. Gleichzeitig werden vorhandene Spielräume ausgenutzt, um die Versorgungssicherheit in Deutschland zu gewährleisten“, so die Sprecherin. Die Treuhandverwaltung durch die Bundesnetzagentur halte ebenfalls stets die Versorgungssicherheit im Blick.



