Umstrittene Erweiterung der Brennelementefabrik in Lingen wird weiterhin geprüft
Die kontroverse geplante Erweiterung der Brennelementefabrik in Lingen im Emsland wird nach Angaben von Umweltminister Christian Meyer (Grüne) weiterhin von der niedersächsischen Landesregierung intensiv geprüft. Die in Lingen ansässige Advanced Nuclear Fuels GmbH (ANF), eine Tochtergesellschaft des französischen Framatome-Konzerns, plant dort die Herstellung von Brennelementen für russische Reaktortypen und hat bereits eine Kooperationsvereinbarung mit dem russischen Staatskonzern Rosatom geschlossen.
Politische Bedenken und Sicherheitsprüfungen
„Politisch halte ich es für fatal, einen Einstieg jetzt in diesen Zeiten Russlands in die Brennelementeproduktion in Lingen zu haben und dort dann mit Russland zu produzieren“, erklärte Meyer dem Sender NDR 1 Niedersachsen. „Aber wir prüfen nach Recht und Gesetz im Auftrag des Bundes und werden allen Hinweisen nachgehen.“ Diese Prüfung soll nun beschleunigt vorangetrieben werden, um insbesondere mögliche Sicherheitsgefahren zu untersuchen, die durch die Beteiligung des russischen Unternehmens entstehen könnten.
Berichte über Bundesgenehmigung und Verfahrensstand
Zuletzt hatte das Nachrichtenmagazin „Politico“ berichtet, die Bundesregierung habe sich grundsätzlich für die Genehmigung des Vorhabens ausgesprochen. Demnach wolle die Bundesregierung durch eine atomrechtliche Bewertung unter Auflagen das Nuklearprojekt in Lingen erlauben. Für die endgültige Genehmigung ist jedoch das niedersächsische Umweltministerium zuständig, bei dem das atomrechtliche Verfahren bereits seit Jahren läuft.
Das Bundesumweltministerium in Berlin und das Landesumweltministerium in Hannover wollten sich auf Anfrage nicht zum aktuellen Stand der Prüfung äußern. Ein Sprecher von Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) teilte lediglich mit, dass dem Umweltministerium in Hannover „zu dessen vorläufigem Entscheidungsentwurf im Rahmen der Bundesaufsicht eine Stellungnahme übermittelt wurde“.
Hintergründe und öffentliche Kritik
In Lingen werden seit mehr als vier Jahrzehnten Brennelemente für Atomkraftwerke in Europa hergestellt. Advanced Nuclear Fuels (ANF) plant dort künftig auch die Produktion von Brennelementen für osteuropäische Atomkraftwerke sowjetischer Bauart. Damit sollen Kraftwerke in Osteuropa unabhängiger von Lieferungen aus Russland werden. Um den russischen Brennelementtyp fertigen zu können, setzt der französische ANF-Mutterkonzern Framatome auf eine Kooperation mit einer Tochterfirma von Rosatom.
Im Genehmigungsverfahren zur Umrüstung der Fabrik gab es 2024 eine Öffentlichkeitsbeteiligung mit knapp 11.000 Einwendungen. Vertreter von Bürgerinitiativen und Umweltverbänden kritisieren das französisch-russische Gemeinschaftsunternehmen scharf. Als Hauptablehnungsgründe nennen sie:
- Die Gefahr von russischer Spionage
- Die Forderung nach einer vollständigen Schließung der Brennelementfabrik
- Bedenken hinsichtlich der Sicherheitsrisiken
Wann es zu einer finalen Entscheidung kommen könnte, ist derzeit nicht bekannt. Umweltminister Meyer hatte 2024 angekündigt, zunächst die Bewertungen des Bundes abwarten zu wollen. „Im Anschluss kann und wird Niedersachsen schnell entscheiden“, hatte Meyer damals betont. Die Prüfung der umstrittenen Erweiterung bleibt damit weiterhin in der Schwebe, während die politischen und sicherheitsrelevanten Bedenken anhalten.



