Ölpreise trotz Freigabe von Reserven weiter auf Rekordniveau
Der internationale Ölmarkt zeigt sich unbeeindruckt von den jüngsten Maßnahmen zur Stabilisierung der Versorgung. Trotz der Ankündigung der Internationalen Energieagentur (IEA), strategische Ölreserven in Rekordhöhe freizugeben, bleiben die Preise auf dem höchsten Niveau seit Jahren. Die anhaltenden Sorgen vor einer dauerhaften Blockade der Straße von Hormus durch den Iran treiben die Märkte weiter an.
Freigabe der Reserven verpufft ohne Wirkung
Die IEA gab am Mittwoch bekannt, dass ihre 32 Mitgliedsländer insgesamt 400 Millionen Barrel Rohöl an den Markt geben werden. Diese historische Maßnahme soll die durch den Krieg angespannten Märkte stabilisieren. Doch die Reaktion der Märkte fiel enttäuschend aus: Ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent kostete in der Nacht auf Donnerstag über 93 Dollar und damit knapp ein Prozent mehr als am Vortag. Bei der US-Sorte WTI fiel der Anstieg ähnlich aus.
Experten vermuten, dass die schwache Reaktion darauf zurückzuführen ist, dass mit der Freigabe bereits gerechnet wurde. Die Ölpreise waren in den vergangenen Tagen auf den höchsten Stand seit Sommer 2022 gestiegen, ehe sie sich etwas erholten. Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass die Märkte weiterhin von fundamentalen Ängsten getrieben werden.
Straße von Hormus als neuralgischer Punkt
Die etwa 55 Kilometer breite Straße von Hormus zwischen dem Iran und dem Oman gehört zu den wichtigsten Seerouten des internationalen Ölhandels. Der Iran droht damit, dass kein Tropfen Öl für die USA und ihre Partner die Meerenge passieren werde. US-Präsident Donald Trump spielte die Gefahr zwar herunter und forderte Öltanker auf, die Straße zu durchfahren, doch die Realität sieht anders aus.
Laut IEA-Angaben wird derzeit nicht einmal ein Zehntel der zuvor üblichen Ölmenge durch die Straße von Hormus transportiert. Diese Blockade hat gravierende Auswirkungen auf die globale Versorgungskette.
Auswirkungen auf Verbraucher weltweit
Die Schockwellen des Konflikts sind bereits für Verbraucher in aller Welt spürbar:
- In Deutschland stieg diese Woche der Durchschnittspreis für die günstigste gängige Benzinsorte E10 auf über zwei Euro pro Liter.
- Die Bundesregierung plant nun, Tankstellen zu verbieten, die Preise mehr als einmal täglich anzuheben.
- Auch in den USA, einem der größten Ölproduzenten weltweit, zeigen Tankstellen die höchsten Preise seit 2024 an.
Besonders betroffen: Asiatische Märkte
Die Folgen sind besonders gravierend für Asien, wo vier von fünf Ölfässern, die die Straße von Hormus passieren, hingehen. Viele Aktienmärkte in Asien gingen infolge der steigenden Ölpreise bereits auf Talfahrt, etwa in Japan. Regierungen reagieren mit drastischen Maßnahmen:
- In Thailand wurden Beamte angewiesen, von zu Hause zu arbeiten, auf Reisen zu verzichten und die Treppe statt den Aufzug zu benutzen.
- Auf den Philippinen ordnete die Regierung eine Vier-Tage-Woche für Beamte an.
Logistische Herausforderungen bei der Reserven-Freigabe
Die freigegebene Reserve von 400 Millionen Barrel könnte theoretisch ausreichen, um die Blockade der Straße von Hormus für etwa 20 Tage zu überbrücken. Allerdings dürfte es Wochen oder sogar Monate dauern, bis das Öl tatsächlich auf dem Markt ankommt. Die USA haben versprochen, sich mit 172 Millionen Barrel zu beteiligen, wobei die komplette Auslieferung nach eigenen Angaben rund 120 Tage dauern könnte.
Diese zeitliche Verzögerung unterstreicht die Herausforderungen, vor denen die internationale Gemeinschaft steht. Während politische Lösungen gesucht werden, müssen Verbraucher weltweit mit weiter steigenden Energiepreisen rechnen.



