Am Dienstag übergibt die Rentenkommission ihre 33 Empfehlungen an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD). Erstmals liegt eine detaillierte Auflistung aller Vorschläge im Wortlaut vor, die dem Handelsblatt exklusiv zugänglich ist. Bürger, Gewerkschaften und Wirtschaftsvertreter warten gespannt auf die Übergabe.
Kernforderung: Nettoersatzquote von 70 Prozent
Empfehlung 1: „Die Kommission empfiehlt, als politische Zielgröße einer lebensstandardsichernden Altersversorgung eine Nettoersatzquote von mindestens 70 Prozent nach Steuern anzusetzen.“ Diese Quote gibt an, wie viel Netto-Rente ein Ruheständler im Vergleich zu seinem letzten Netto-Einkommen erhält. Für Geringverdiener soll die Quote darüber liegen.
Empfehlung 2: „Die Kommission empfiehlt, als Kenngröße für die Leistungsfähigkeit des Alterssicherungssystems neben dem Sicherungsniveau vor Steuern künftig eine Nettoersatzquote (Ersatzrate nach Steuern) auszuweisen.“ Diese soll anhand typisierter Modellfälle wie Durchschnitts- und Geringverdiener dargestellt werden.
Weitere zentrale Empfehlungen
Die Kommission schlägt vor, die Beitragssätze langfristig zu stabilisieren und das Rentenniveau nicht unter 48 Prozent vor Steuern sinken zu lassen. Zudem soll die private Altersvorsorge gestärkt werden, etwa durch eine verpflichtende betriebliche Altersversorgung für alle Arbeitnehmer. Die Empfehlungen umfassen auch Maßnahmen zur besseren Absicherung von Selbstständigen und zur Erhöhung der Erwerbsbeteiligung Älterer.
Laut Kommissionsmitgliedern sind die Vorschläge ein Kompromiss zwischen Generationengerechtigkeit und finanzieller Nachhaltigkeit. „Wir müssen jetzt handeln, um das Rentensystem für die Zukunft zu sichern“, sagte ein Sprecher. Die Übergabe an die Regierung erfolgt am Dienstag in Berlin.



