Russland plant Stopp von Kasachstan-Öltransit nach Deutschland
Die angespannte Kraftstoffversorgung in Deutschland könnte sich durch einen neuen Schritt Russlands weiter verschärfen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf drei namentlich nicht genannte Branchenquellen berichtet, will Russland ab dem 1. Mai den Transit von kasachischem Erdöl über die Druschba-Pipeline nach Deutschland einstellen. Ein angepasster Exportplan sei bereits an Kasachstan und Deutschland übermittelt worden.
PCK-Raffinerie in Schwedt direkt betroffen
Von diesem möglichen Transitstopp ist insbesondere die PCK-Raffinerie in Schwedt in Brandenburg betroffen. Die unter Treuhand stehende Tochter der russischen Rosneft verarbeitete im Jahr 2025 nach eigenen Angaben zwei Millionen Tonnen Rohöl aus Kasachstan. Diese Menge entspricht etwa einem Fünftel der gesamten Ölmenge, die in der Raffinerie verarbeitet wird.
Ein Sprecher der PCK-Raffinerie erklärte, man wolle nun prüfen, wie gegebenenfalls Ersatzlieferungen sichergestellt werden können, damit die Produktion in vollem Umfang aufrechterhalten werden kann. Es sei keine unlösbare Situation eingetreten, betonte der Sprecher. Bisher gibt es jedoch weder von der deutschen noch von der russischen Regierung eine offizielle Bestätigung des geplanten Transitstopps.
Leuna-Raffinerie bleibt unabhängig von Kasachstan-Öl
Im Gegensatz zur PCK-Raffinerie in Schwedt ist die Total-Energies-Raffinerie in Leuna im Saalekreis nicht von den möglichen Lieferengpässen betroffen. Laut einer Sprecherin bezieht Leuna kein Öl aus Kasachstan. Die Raffinerie wird stattdessen über eine Pipeline aus dem polnischen Hafen Danzig mit US-amerikanischem Öl versorgt.
Die Öllieferungen aus Kasachstan erfolgen über die legendäre Druschba-Pipeline, deren Name übersetzt Freundschaft bedeutet. Diese Leitung durchquert russisches Territorium, bevor sie nach Deutschland führt. Die PCK-Raffinerie in Schwedt bezieht den Großteil ihres Öls jedoch über verschiedene Märkte durch eine Pipeline aus dem Hafen Rostock, wo Tanker anlanden.
Der mögliche Transitstopp kommt zu einer Zeit, in der die Kraftstoffversorgung in Deutschland bereits durch den anhaltenden Iran-Krieg belastet ist. Experten befürchten, dass eine Unterbrechung der kasachischen Öllieferungen die Situation weiter verschärfen könnte, insbesondere für die energieintensive Industrie in Ostdeutschland.



