Söders Atom-Offensive: Kann Bayern einfach Mini-AKWs bauen?
Söders Atom-Offensive: Kann Bayern Mini-AKWs bauen?

Söders Atom-Offensive: Kann Bayern einfach Mini-AKWs bauen?

Berlin – Eine energiepolitische Ansage aus Bayern sorgt für kontroverse Diskussionen. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) prescht in der aktuellen Energiedebatte mit einer Forderung nach vorn: Er will eine "Kernenergie 2.0" etablieren, bei der in Bayern Mini-Atomkraftwerke (Small Modular Reactors, SMR) und Kernfusionstechnologien getestet und eingesetzt werden sollen. Ziel ist es, den wachsenden Strombedarf für künstliche Intelligenz, Elektromobilität und andere Zukunftstechnologien zu decken.

Kritik aus der Bundespolitik

Vom Koalitionspartner in Berlin kommt umgehend scharfe Kritik. Die SPD-Energiepolitikerin Nina Scheer bezeichnet den Vorschlag als "absurd". Sie argumentiert, Atomenergie sei die teuerste Form der Energiegewinnung und nur mit massiven Subventionen realisierbar. Sicherheitspolitisch bewertet sie die Pläne als "eine wahnwitzige Geisterfahrt". Auch die Grünen zeigen sich ablehnend. Julia Verlinden, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, spricht von einer "riskanten und nicht ausgereiften Technologie, die kein einziges aktuelles Problem löst".

Expertenmeinung: Chancen und Herausforderungen

Energieexperte Manuel Frondel vom Leibniz-Institut äußert sich differenziert. "Wenn man Wirtschaftswachstum und Klimaschutz unter einen Hut bringen möchte, ist es sinnvoll, auf Kernenergie zu setzen", so Frondel. Allerdings gibt er zu bedenken: "Es ist noch völlig unklar, ob diese kleinen Reaktoren helfen können, dieses Ziel zu erreichen." Die Technologie stehe noch am Anfang, Prototypen fehlten bisher, und es könne bis zu zehn Jahre dauern, bis Mini-Reaktoren flächendeckend eingesetzt werden könnten. Frondel betont: "Der Bau von Minireaktoren wird unsere heutigen Energieprobleme nicht lösen." Dennoch könne die Technologie ein Baustein auf dem Weg zur Treibhausgasneutralität bis 2045 sein.

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Rechtliche Hürden für einen bayerischen Alleingang

Die entscheidende Frage bleibt: Kann Bayern überhaupt eigenständig Mini-AKWs bauen? Energieexperte Frondel verneint dies klar. "Bayern kann alleine gar nichts entscheiden. Das Atomgesetz müsste geändert werden und das ist Bundessache." Derzeit sei die friedliche Nutzung von Kernenergie in Deutschland verboten. Ein atompolitischer Alleingang Bayerns ist somit ohne Änderungen auf Bundesebene nicht möglich. Die Debatte um die Zukunft der Energieversorgung in Deutschland wird also weiter auf nationaler Ebene geführt werden müssen.

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