Die Schutzhülle über dem havarierten Atomkraftwerk Tschernobyl ist schwer beschädigt. Experten schätzen die Reparaturkosten auf mindestens eine halbe Milliarde Euro. Die Arbeiten werden für die Einsatzkräfte lebensgefährlich sein, doch die Zeit drängt.
Schäden durch Drohnenangriff
Der Schaden an der Schutzhülle, die eigentlich für eine Lebensdauer von 100 Jahren ausgelegt war, trat bereits nach knapp zehn Jahren auf. Ursache war ein Drohnenangriff, der die ohnehin riskante Konstruktion weiter destabilisierte. Die Hülle, offiziell als New Safe Confinement (NSC) bezeichnet, wurde 2016 über den zerstörten Reaktorblock 4 geschoben, um die Umwelt vor radioaktiver Strahlung zu schützen.
Herausforderungen bei der Reparatur
Die Reparatur gestaltet sich aus mehreren Gründen äußerst kompliziert. Zum einen ist die Strahlenbelastung in unmittelbarer Nähe der Hülle immer noch hoch. Zum anderen sind die Schäden an der Stahlkonstruktion so umfangreich, dass eine einfache Abdichtung nicht ausreicht. Ingenieure müssen neue Techniken entwickeln, um die Stabilität zu gewährleisten, ohne die Arbeiter einer gefährlichen Strahlung auszusetzen.
Hinzu kommt, dass die Hülle nicht mehr vollständig dicht ist. Radioaktive Partikel könnten entweichen, was die Umgebung gefährdet. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), die das Projekt finanziert, hat bereits zusätzliche Mittel bereitgestellt. Dennoch bleibt unklar, ob die veranschlagte halbe Milliarde Euro ausreicht.
Zeitdruck und Risiken
Die Zeit drängt, denn die Schutzhülle muss so schnell wie möglich repariert werden, um eine weitere Kontamination zu verhindern. Gleichzeitig müssen die Arbeiten unter extremen Sicherheitsvorkehrungen erfolgen. Die Einsatzkräfte werden nur in kurzen Schichten arbeiten können, um die Strahlendosis zu minimieren. Automatisierte Roboter könnten einen Teil der Arbeiten übernehmen, doch für die komplexen Reparaturen sind Menschen unverzichtbar.
Die Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 gilt als schwerster Unfall in der Geschichte der Kernenergie. Die neue Schutzhülle sollte eine sichere Eindämmung für die nächsten 100 Jahre gewährleisten, doch die jüngsten Ereignisse zeigen, wie anfällig selbst moderne Konstruktionen sein können.



