Wärmepumpen-Branche reagiert gelassen auf geplantes Gebäudemodernisierungsgesetz
Wärmepumpen-Hersteller gelassen bei neuem Gebäude-Gesetz

Wärmepumpen-Hersteller bewahren Ruhe trotz geplanter Gesetzesänderungen

Die deutsche Wärmepumpen-Industrie reagiert mit überwiegender Gelassenheit auf das Eckpunktepapier für das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG). Nach den turbulenten politischen Auseinandersetzungen des Jahres 2023, die zu einem dramatischen Absatzeinbruch führten, scheint die Branche heute stabiler aufgestellt. „Alles ist besser als Verunsicherung“, lautet der Tenor unter den Herstellern, auch wenn inhaltliche Kritik an den geplanten Neuregelungen nicht ausbleibt.

Erholung nach dem Tiefpunkt von 2024

Die Erinnerungen an das Jahr 2023 sind in der Branche noch präsent. Der damalige Streit um das von Ex-Wirtschaftsminister Robert Habeck geplante Gebäudeenergiegesetz führte zu massiver Verunsicherung bei Verbrauchern und einem Absatzeinbruch von rund 46 Prozent im Folgejahr auf nur noch 193.000 Wärmepumpen. Diese Talsohle hat die Industrie jedoch überwunden, wie aktuelle Zahlen belegen.

Martin Sabel, Geschäftsführer des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP), verkündete in Berlin einen historischen Meilenstein: „Im Jahr 2025 hat die Wärmepumpe zum ersten Mal die Gasheizung überholt.“ Mit 299.000 verkauften Einheiten markierte das vergangene Jahr eine deutliche Trendwende. Der positive Trend setzt sich fort – im Januar 2026 verzeichnete die Branche ein Plus von 33 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

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Das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz im Detail

Die schwarz-rote Bundesregierung plant mit dem neuen GMG eine Abkehr von bisherigen Regelungen. Kernpunkte des Eckpunktepapiers sind:

  • Abschaffung der 65-Prozent-Vorgabe für erneuerbare Energien im Neubau
  • Freigabe für neue Gas- und Ölheizungen mit Auflagen für grüne Brennstoffe
  • Keine Förderung mehr für fossile Heizsysteme
  • „Auskömmliche Finanzierung“ der Bundesförderung effiziente Gebäude bis mindestens 2029

Jens Spahn (CDU), Vorsitzender der Unionsfraktion, hat öffentlich zugesagt, die Förderung von Wärmepumpen stabil zu halten. „Da nehmen wir ihn beim Wort“, kommentiert BWP-Geschäftsführer Sabel diese Zusage. Die Branche erwartet nun konkrete Ausgestaltungen im Gesetzgebungsverfahren.

Branchenkritik an inhaltlichen Schwächen

Trotz der grundsätzlich gelassenen Reaktion übt die Wärmepumpen-Industrie deutliche Kritik an inhaltlichen Aspekten des geplanten Gesetzes. Martin Sabel bemängelt „tiefgreifende Veränderungen zulasten einer klaren Orientierung“. Die angekündigten Biomasse-Quoten für neue Gas- und Ölheizungen könnten aus Sicht des Verbands die Wirkung der bisherigen 65-Prozent-Vorgabe nicht ersetzen.

Aus juristischer Perspektive sieht der BWP sogar grundlegende Probleme: Deutschland sei völkerrechtlich verpflichtet, mehr statt weniger für den Klimaschutz zu tun. Sabel kritisiert „rückwärtsgewandte Diskussionen auf politischer Ebene“, die verhinderten, dass Deutschland bei globalen Megatrends konsequent voranschreite.

Chinesische Konkurrenz als zusätzliche Herausforderung

Während in Deutschland über regulatorische Details gestritten wird, bereitet China einen gezielten Angriff auf den europäischen Wärmepumpenmarkt vor. Kai Schiefelbein, Geschäftsführer von Stiebel Eltron und stellvertretender BWP-Vorstandsvorsitzender, bestätigt diese Entwicklung. Ein chinesischer „Aktionsplan zur Förderung einer hochwertigen Entwicklung in der Wärmepumpenindustrie“ identifiziert die Technologie als Schlüssel für Energiesouveränität, CO₂-Reduktion und grünes Wachstum.

Die chinesische Strategie umfasst:

  1. Entwicklung besserer und effizienterer Produkte
  2. Marktabdeckung in möglichst vielen Segmenten
  3. Fokus auf öffentliche Gebäude wie Schulen, Krankenhäuser und Hotels

Die deutschen Hersteller fürchten, ähnlich wie einst die Photovoltaik-Branche, aus dem Wettbewerb gedrängt zu werden. Diese Bedrohung unterstreicht die Dringlichkeit verlässlicher politischer Rahmenbedingungen.

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Forderungen nach Planungssicherheit und Unterstützung

Angesichts der internationalen Konkurrenzsituation und der geplanten Gesetzesänderungen setzt die deutsche Wärmepumpen-Branche auf verstärkte politische Unterstützung. Kai Schiefelbein betont, dass trotz eigener Präferenzen „ein tragfähiger Kompromiss gefunden wurde“. Für die Zukunft benötige die Industrie jedoch dringend einen „rechtssicheren und planbaren Rahmen“.

Nur mit langfristiger Investitionssicherheit können Industrie, Handwerk sowie Wohnungs- und Energiewirtschaft wettbewerbsfähig bleiben. Die Branche hofft inständig, dass trotz der geplanten Gesetzesänderungen keine erneute Verunsicherung wie im Jahr 2023 eintritt. Die Erfahrungen der Vergangenheit haben gezeigt, wie sensibel der Markt auf politische Unwägbarkeiten reagiert – eine Lektion, die im Angesicht chinesischer Marktambitionen besonders relevant ist.