ETF-Investments: Können Sie Verluste aushalten? So finden Sie es heraus
Wenn die Kurse steigen, macht der Blick ins Depot Freude. Doch wenn die Börse einbricht und Ihr Erspartes auf dem Papier deutlich an Wert verliert, können Sie diese Situation ertragen? Diese Frage sollten sich Anlegerinnen und Anleger stellen, bevor sie überhaupt investieren. Denn Verluste gehören zum Börsengeschäft dazu – das ist eine unumstößliche Wahrheit.
ETFs als beliebte Einstiegsoption mit Risiken
Besonders populär in deutschen Depots sind ETFs, also börsengehandelte Indexfonds. Viele davon bilden den MSCI-World-Aktienindex nach, der in rund 1.300 Unternehmen aus 23 Industrieländern investiert. Diese breite Diversifizierung macht ETFs zu einer attraktiven Option für Börsenneulinge. Historisch betrachtet haben solche Wertpapiere über die vergangenen Jahrzehnte im Durchschnitt etwa acht Prozent jährliche Rendite erwirtschaftet.
Trotzdem sind auch ETFs nicht immun gegen Krisen und Kriege. In den letzten etwa 50 Jahren hat der MSCI-World-Index massive Abstürze erlebt, die zeitweise bis zu 50 Prozent betrugen. Zwar konnte sich der Index in den Folgejahren stets erholen, doch Anleger benötigen dafür einen langen Atem. Wichtig ist, dass Sie im Ernstfall nicht auf das investierte Geld angewiesen sind. Andernfalls müssten Sie Anteile möglicherweise zu einem ungünstigen Zeitpunkt verlustreich verkaufen – was finanziell schmerzhaft sein kann.
Gedankenspiele zur Risikobewertung
Karin Baur von der Stiftung Warentest empfiehlt Einsteigern, sich vor dem ersten Investment oder der Einrichtung eines ETF-Sparplans ein Worst-Case-Szenario vorzustellen. Und zwar nicht in abstrakten Prozentzahlen, sondern in konkreten absoluten Zahlen. Stellen Sie sich vor: Sie haben im ersten Jahr 1.200 Euro eingezahlt, doch am Jahresende sind Ihre Anteile nur noch 600 Euro wert. Überlegen Sie genau, was ein solcher Absturz mit Ihnen machen würde und ob Sie damit klarkämen.
Wer bei diesem Gedankenspiel bereits Nervenflattern verspürt, sollte sein Erspartes besser nicht ausschließlich in Aktien-ETFs stecken. Stattdessen rät Baur, zumindest einen Teil in sicherere Anlageformen wie Tagesgeld zu investieren. Dort kann das Geld zwar nicht ins Minus rutschen, aber die Sicherheit schmälert auch die Renditeaussichten. Eine ausgewogene Mischung kann hier die Lösung sein.
Langfristige Perspektive bewahren
Gleichzeitig betont Karin Baur, dass sich Anleger nicht von vorübergehenden Kurseinbrüchen irritieren lassen sollten – vorausgesetzt, sie verfolgen eine klare und ausgewogene Anlagestrategie. Insbesondere für Sparplan-Anfänger sind kurzfristige Kursrutsche sogar vorteilhaft. „Es ist überhaupt nicht schlecht, wenn die Kurse runtergehen, weil man die Anteile dann günstiger einkauft“, erklärt Baur. Auf diese Weise erhalten Sie mehr Anteile zum selben Preis, was sich später bei steigenden Kursen positiv auswirkt.
Letztlich geht es beim Investieren nicht nur um Zahlen, sondern auch um die psychologische Komponente. Bevor Sie den Schritt an die Börse wagen, sollten Sie ehrlich zu sich selbst sein: Können Sie Verluste aushalten und geduldig auf Erholungsphasen warten? Nur wer diese Frage mit Ja beantworten kann, ist wirklich für ETF-Investments gemacht.



