Ifo-Studie enthüllt: Sondervermögen wird massiv zweckentfremdet - kaum Investitionen in Infrastruktur
Ifo-Studie: Sondervermögen kaum für Infrastruktur-Investitionen genutzt

Ifo-Institut kritisiert massive Zweckentfremdung des Sondervermögens

Das mit großem Aufwand beschlossene 500-Milliarden-Euro-Schuldenpaket der Bundesregierung sollte eigentlich der Modernisierung und dem Ausbau der deutschen Infrastruktur dienen. Doch nach aktuellen Berechnungen des Münchner Ifo-Instituts ist von dieser ambitionierten Zielsetzung bisher kaum etwas zu spüren. Statt dringend benötigte Investitionen in Verkehrswege, digitale Netze und klimaneutrale Technologien zu finanzieren, fließen die Mittel offenbar vor allem in die Stopfung von Haushaltslöchern.

95 Prozent der Mittel nicht für vorgesehene Investitionen genutzt

Die Zahlen des renommierten Wirtschaftsforschungsinstituts sind ernüchternd: Von den im Jahr 2025 im Rahmen des sogenannten „Sondervermögens für Klimaneutralität und Infrastruktur“ (SVIK) aufgenommenen Krediten in Höhe von 24,3 Milliarden Euro wurden satte 95 Prozent nicht für die eigentlich geplanten Investitionszwecke verwendet. „Wir haben festgestellt, dass die Politik die schuldenfinanzierten Mittel nahezu vollständig für andere Zwecke, also zum Stopfen von Haushaltslöchern, genutzt hat“, kritisierte Ifo-Präsident Clemens Fuest in einer scharfen Stellungnahme. „Das ist ein großes Problem für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes.“

Bereits im August 2025 hatte die Bundesbank ähnliche Vorwürfe erhoben und moniert, dass ein beträchtlicher Teil der neuen Schulden nicht in dringend benötigte Investitionen fließt. Die Ifo-Analyse bestätigt und präzisiert nun diese Kritik mit konkreten Zahlen.

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Kürzungen im Kernhaushalt kompensieren Sondervermögen

Die Münchner Ökonomen Emilie Höslinger und Max Lay, Autoren der aktuellen Studie, identifizieren einen zentralen Mechanismus der Zweckentfremdung: Die Bundesregierung hat parallel zur Aufnahme der Sondervermögens-Schulden die Investitionen im regulären Kernhaushalt im Vergleich zum Vorjahr 2024 deutlich gekürzt. „Es kam zu systematischen Verschiebungen einzelner Posten vom Kernhaushalt in das kreditfinanzierte SVIK“, erläutert Studienautorin Höslinger. „Besonders betroffen sind dabei Zuschüsse im Verkehrsbereich, weshalb im Kernhaushalt letztlich weniger investiert wurde als in den Vorjahren.“

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Während der Bund 2024 noch 68,6 Milliarden Euro für Investitionen ausgab, beliefen sich die Gesamtinvestitionen 2025 trotz der massiven zusätzlichen Schuldenaufnahme nur auf 69,9 Milliarden Euro – ein marginaler Anstieg von lediglich 1,3 Milliarden Euro. Die Diskrepanz zwischen Schuldenaufnahme und tatsächlicher Investitionstätigkeit ist damit eklatant.

Komplexe Konstruktion erschwert Transparenz und Kontrolle

In ihrer Analyse kritisieren Höslinger und Lay nicht nur die inhaltliche Zweckentfremdung, sondern auch die strukturellen Probleme des Sondervermögens. Die komplexe Konstruktion des Schuldenpakets erschwere sowohl die Nachvollziehbarkeit der Mittelverwendung als auch eine fundierte Prüfung der Zweckmäßigkeit. Für ihre Berechnungen mussten die Wissenschaftler auf zahlreiche unterschiedliche Quellen zurückgreifen:

  • Haushaltspläne und -rechnungen von Bund und Bundesbehörden
  • Die vom Bundesfinanzministerium veröffentlichten Monatsberichte zur Kreditaufnahme
  • Die vierteljährlichen Kassenberichte des Statistischen Bundesamts

Diese Zersplitterung der Informationen macht eine transparente und effektive Kontrolle der Mittelverwendung außerordentlich schwierig. Die Ifo-Experten fordern daher nicht nur eine Rückkehr zur ursprünglichen Zweckbestimmung der Mittel, sondern auch strukturelle Verbesserungen bei der Transparenz und Nachvollziehbarkeit öffentlicher Finanzströme.

Die aktuelle Debatte um das Sondervermögen zeigt einmal mehr die Spannung zwischen kurzfristiger Haushaltspolitik und langfristigen Investitionserfordernissen. Während die Bundesregierung mit dem Schuldenpaket eigentlich Signale für Zukunftsinvestitionen setzen wollte, dominieren aktuell haushaltspolitische Erwägungen – mit potenziell negativen Folgen für die Infrastrukturentwicklung und Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.

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