Banknoten-Revolution in Großbritannien: Igel verdrängen Churchill von Geldscheinen
Für Winston Churchill (1874–1965) häufen sich die Rückschläge. Nachdem seine Statue auf dem Parliament Square in London von pro-palästinensischen Aktivisten beschmiert wurde und der ehemalige US-Präsident Donald Trump den aktuellen britischen Premierminister als "kein Winston Churchill" bezeichnete, steht nun ein weiterer symbolträchtiger Abgang bevor: Der Kriegsheld verschwindet von den britischen Banknoten.
Historische Persönlichkeiten werden durch Wildtiere ersetzt
Die Bank of England gab am Mittwoch bekannt, dass auf der nächsten Banknoten-Serie britische Wildtiere zu sehen sein werden. Igel, Dachse und andere einheimische Arten werden künftig die Rückseiten der Geldscheine zieren. Bisher sind dort bedeutende historische Persönlichkeiten abgebildet: Winston Churchill auf dem Fünf-Pfund-Schein, die Schriftstellerin Jane Austen auf dem Zehn-Pfund-Schein, der Maler J. M. W. Turner auf dem Zwanzig-Pfund-Schein und Alan Turing, der legendäre Codeknacker aus dem Zweiten Weltkrieg, auf dem Fünfzig-Pfund-Schein.
Premierminister und Kriegsheld Winston Churchill gilt für viele als der Mann, der die Welt vor Hitler rettete. Sein Verschwinden von den Geldscheinen markiert daher einen bedeutenden kulturellen Wandel.
Umfrageergebnis führt zu radikaler Änderung
Der Abschied von den historischen Persönlichkeiten auf den Banknoten kommt nicht unmittelbar. Die neuen Scheine werden erst in einigen Jahren ausgegeben. Dieser Entscheidung ging im Sommer 2025 eine umfangreiche Befragung voraus, bei der mehr als 44.000 Rückmeldungen eingingen. Das Ergebnis war eindeutig: 60 Prozent der Teilnehmer wählten "Natur" als bevorzugtes Thema für die neuen Banknoten. Nur 38 Prozent sprachen sich weiterhin für historische Persönlichkeiten auf den Geldscheinen aus.
Kontroversen um politische Korrektheit
Die Bank of England erklärte, sie suche nach Motiven, die das Vereinigte Königreich symbolisieren, beim Publikum Anklang finden und vor allem keine Kontroversen auslösen. Dennoch dürfte die Entscheidung nicht ohne Streit abgehen. Laut dem Finanzdatenanbieter Bloomberg birgt die Entfernung nationaler Symbole von Geldscheinen erheblichen Konfliktstoff, insbesondere bei konservativen Kreisen.
Gerade Winston Churchill gilt vielen Konservativen als prägende Figur der britischen Geschichte. Ein konservativer Abgeordneter bezeichnete die Überlegung, Alternativen zu historischen Persönlichkeiten zu prüfen, prompt als "übertrieben politisch korrekt".
Weitere Befragung für Tierauswahl geplant
Im Sommer 2026 soll eine weitere Befragung folgen, bei der die britische Bevölkerung konkrete Tierarten für die neuen Banknoten auswählen kann. Dabei sind Hund, Katze und andere Haustiere ausdrücklich ausgeschlossen - nur heimische Wildtiere kommen in Frage.
Diese radikale Veränderung der britischen Banknoten-Gestaltung markiert einen bedeutenden kulturellen Wandel und spiegelt das veränderte öffentliche Interesse an Naturschutz und heimischer Tierwelt wider. Während einige den Schritt als notwendige Modernisierung begrüßen, sehen andere darin einen Verlust nationaler Identitätssymbole.



