SPD-Chef Klingbeil plant Steuerreform: Ehegattensplitting soll abgeschafft werden
Klingbeil will Ehegattensplitting abschaffen

SPD-Chef Klingbeil startet Reformoffensive nach Wahlschlappe

Nach der deutlichen Wahlniederlage der SPD in Rheinland-Pfalz am vergangenen Sonntag steht Parteichef und Vizekanzler Lars Klingbeil unter erheblichem Druck. Der 48-Jährige muss um seine politische Macht kämpfen und reagiert nun mit einer umfassenden Reformagenda. Bereits am Mittwoch hält Klingbeil in Berlin eine programmatische Rede bei der Bertelsmann-Stiftung, die als erster Aufschlag seiner Neuausrichtung gilt. Am Freitag folgt ein Treffen mit dem gesamten SPD-Vorstand, Ministerpräsidenten und Oberbürgermeistern, bei dem die Verhandlungstaktik für die anstehenden Mega-Reformen festgelegt werden soll.

Steuerentlastung für kleine und mittlere Einkommen geplant

Im Zentrum von Klingbeils Reformplänen steht eine deutliche Senkung der Einkommensteuer für kleine und mittlere Einkommen. Wer beispielsweise 3.000 Euro im Monat verdient, soll spürbar entlastet werden. Innerhalb der Partei werden konkrete Entlastungssummen von 300 bis 400 Euro pro Jahr diskutiert. Zur Gegenfinanzierung dieser Maßnahmen sollen die Steuern für Topverdiener erhöht werden. Damit setzt Klingbeil ein klares sozialdemokratisches Signal und kehrt zu klassischen Arbeitnehmerthemen zurück.

Abschaffung des Ehegattensplittings als zentrales Element

Ein besonders kontroverses Element der geplanten Steuerreform ist die Abschaffung des Ehegattensplittings. Nach Informationen der BILD drängt Klingbeil persönlich auf diese Maßnahme, um zusätzliche Arbeitsanreize zu schaffen. Durch die Abschaffung soll sich künftig auch für Ehefrauen, die bislang nicht oder nur geringfügig berufstätig sind, eine Erwerbstätigkeit finanziell lohnen. Damit reagiert die SPD indirekt auf die monatelangen Vorwürfe von CDU-Kanzler Friedrich Merz, die Deutschen würden zu wenig arbeiten.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Weitere Maßnahmen zur Steigerung des Arbeitsvolumens

Neben der Abschaffung des Ehegattensplittings prüft die SPD weitere Instrumente zur Steigerung des Arbeitsvolumens in Deutschland. Dazu gehören mögliche Einschränkungen bei Minijobs: Künftig dürften nur noch Rentner, Studenten und Personen mit einem Hauptbeschäftigungsverhältnis bis zu 603 Euro steuer- und abgabenfrei hinzuverdienen. Alle anderen müssten in sozialversicherungspflichtige Teil- oder Vollzeitstellen wechseln.

Weiterhin wird über die Abschaffung der kostenlosen Mitversicherung in der Krankenkasse für Ehepartner diskutiert, die nicht oder maximal mit einem Minijob arbeiten. Selbst der von CDU-Kanzler Merz vorgeschlagene Wegfall eines Feiertags könnte die SPD in einem umfassenden Reformpaket mittragen, um das Arbeitsvolumen in der Bundesrepublik insgesamt zu erhöhen.

Klingbeil fordert Konzentration auf wirtschaftliche Kernthemen

Der SPD-Chef fordert von seinen Parteigenossen eine strikte Fokussierung auf wirtschaftliche Themen und den Verzicht auf Nischendebatten wie Gendersprache oder Cannabis-Legalisierung. Klingbeils erklärtes Ziel ist es, die SPD wieder stärker als Interessenvertretung der Arbeitnehmer zu positionieren. Gleichzeitig soll die Partei konsequent zu bereits beschlossenen Regierungsmaßnahmen wie der härteren Migrationspolitik und der Bürgergeldreform stehen.

Der konservative Seeheimer Kreis innerhalb der SPD preschte bereits unmittelbar nach der Wahlniederlage in Rheinland-Pfalz vor und forderte – in Absprache mit Klingbeil – diesen pragmatischen Kurs. Hintergrund sind anhaltende Konflikte mit dem linken Parteiflügel, der insbesondere über die verschärften Sanktionen für Bürgergeld-Empfänger kritisiert hatte. Ein von linken Mitgliedern initiiertes Begehren gegen die Bürgergeldreform scheiterte kürzlich an mangelnder Unterstützung.

Bislang hatte Klingbeil interne Kritik an der eigenen Regierungspolitik weitgehend toleriert. Nach BILD-Informationen plant er nun, künftig mit klaren Worten gegen solche Angriffe vorzugehen und damit das Profil der Sozialdemokraten zu schärfen. Die anstehenden Reformen sollen nicht nur wirtschaftspolitische Impulse setzen, sondern auch die innerparteiliche Geschlossenheit stärken.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration