Sprit-Schock in Deutschland: Warum Polen und Tschechen viel weniger bezahlen
Sprit-Schock: Warum Nachbarländer viel günstiger tanken

Sprit-Schock in Deutschland: Warum Polen und Tschechen viel weniger bezahlen

Die Preise an deutschen Tankstellen steigen weiterhin dramatisch an – und das deutlich stärker als in den Nachbarländern. Während Diesel hierzulande zuletzt im Durchschnitt über die Zwei-Euro-Marke kletterte, kostet der Liter in Tschechien aktuell nur zwischen 1,60 und 1,70 Euro. Zu Wochenbeginn lagen die tschechischen Preise sogar noch bei etwa 1,25 Euro. Auch in Polen ist das Tanken spürbar günstiger. In Grenznähe beträgt der Unterschied mittlerweile 40 bis 50 Cent pro Liter.

Der 'Rakete und Feder'-Effekt erklärt die Diskrepanz

Als Auslöser für die allgemeine Preisentwicklung gilt der Iran-Krieg. Die Blockade der Straße von Hormus hat die internationalen Ölmärkte nervös gemacht. Doch die Dimension der Unterschiede wirft ernste Fragen auf: Der Preis für einen Liter Rohöl stieg innerhalb einer Woche um lediglich rund acht Cent – an deutschen Zapfsäulen verteuerte sich Diesel im selben Zeitraum jedoch um etwa 60 Cent. Experten führen dieses Phänomen auf den sogenannten 'Rocket-and-Feather'-Effekt zurück, zu Deutsch 'Rakete und Feder'. Das bedeutet: Steigt der Ölpreis, schnellen die Spritpreise wie eine Rakete nach oben. Fallen die Rohölpreise dagegen, sinken die Zapfsäulenpreise nur langsam und zögerlich wie eine Feder. Das Bundeskartellamt beobachtet dieses Muster bereits seit Jahren: Preiserhöhungen werden rasch an die Verbraucher weitergegeben, während Senkungen systematisch verzögert werden.

Tankstellenpächter sprechen von reiner Abzocke

Der Tankstellen-Interessenverband (TIV) erhebt deshalb schwere Vorwürfe. Sprecher Herbert W. Rabl spricht von 'reiner Abzocke'. Es gebe aktuell keinen sachlichen Grund für derart massive Aufschläge. Der Kraftstoff in den Tanks sei noch zu alten Konditionen eingekauft worden, und bis höhere Rohölpreise tatsächlich durchschlügen, vergehe mindestens eine Woche. Die Pächter selbst erhielten im Übrigen nur ein bis zwei Cent pro Liter, unabhängig davon, was der Sprit an der Zapfsäule kostet. Der Großteil lande bei den großen Mineralölkonzernen. Rabl fordert deshalb strengere Regeln und mehr Kontrolle durch das Bundeskartellamt. Die Mineralölwirtschaft weist die Kritik hingegen zurück. Die angespannte geopolitische Lage werde an den internationalen Märkten unmittelbar eingepreist. Händler sicherten sich gegen mögliche Lieferausfälle ab, was die Notierungen für Raffinerieprodukte – und damit die Endpreise – in die Höhe treibe.

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Deutscher Staat profitiert kräftig von hohen Spritpreisen

Im Vergleich zu Polen und Tschechien unterscheidet sich die Struktur des deutschen Spritpreises immens von jenen bei unseren Nachbarn. Ein großer Teil hierzulande besteht aus staatlichen Abgaben:

  • Die Energiesteuer (früher Mineralölsteuer)
  • Die CO₂-Abgabe
  • Die Mehrwertsteuer von 19 Prozent, die auf den Gesamtpreis inklusive aller Steuern erhoben wird

Beim Benzin machen diese Abgaben rund 60 Prozent des Preises aus, beim Diesel etwas mehr als 50 Prozent. Theoretisch müsste Diesel wegen der geringeren Energiesteuer etwa 20 Cent günstiger sein als Benzin – aktuell ist davon nichts zu sehen. Im Gegenteil! Zudem fließt mit jeder Preiserhöhung auch mehr Geld in die Kasse von Finanzminister Lars Klingbeil. In Polen und Tschechien sind die staatlichen Abgaben deutlich niedriger, weshalb das Preisniveau dort insgesamt geringer bleibt.

Politischer Druck wächst – Sachsens Ministerpräsident spricht von Marktversagen

Inzwischen wächst der politische Druck auf die Bundesregierung. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer spricht von 'Marktversagen'. Wenn Kraftstoff aus derselben Raffinerie komme, aber jenseits der Grenze deutlich günstiger sei, müsse man jemandem 'auf die Finger schlagen'. Er begrüßt die laufende Prüfung durch das Bundeskartellamt und fordert ein konsequentes Vorgehen gegen mögliche Zusatzgewinne auf Kosten der Verbraucher. Bereits in der vergangenen Woche bildeten sich lange Tankschlangen mit deutschen Pkw-Fahrern vor den Zapfsäulen im polnischen Teil von Görlitz, was die Frustration der Autofahrer deutlich macht.

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