Bundesregierung greift bei Spritpreisen ein: Staat kassiert über die Hälfte jedes Liters
Spritpreis-Debatte: Staat kassiert über 50% pro Liter

Hitzige Debatte um explodierende Spritpreise in Deutschland

Die Preise für Benzin und Diesel erreichen in Deutschland neue Rekordhöhen. Als Reaktion darauf plant die schwarz-rote Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nun einschneidende Maßnahmen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) kündigte am Mittwoch in Berlin an, dass Tankstellen künftig nur noch einmal täglich ihre Preise erhöhen dürfen sollen.

Österreichisches Modell als Vorbild für deutsche Regulierung

Dieses aus Österreich bekannte Modell soll so schnell wie möglich eingeführt werden, um den ausufernden Preisanstieg an den Zapfsäulen zu bremsen. Die Maßnahme kommt in einer Zeit, in der die Zwei-Euro-Schwelle für E10-Benzin bereits überschritten wurde und der Tankstelleninteressenverband vor weiteren Steigerungen bis auf 2,50 Euro pro Liter warnt.

Ministerin Reiche kündigte zudem verschärfte Kontrollen der Mineralölkonzerne an. Nachdem bayerischer Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Verdacht auf mögliche Preisabsprachen im Umfeld des Iran-Kriegs geäußert hatte, soll das „scharfe Schwert des Kartellarms“ künftig stärker zum Einsatz kommen.

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Deutschland im EU-Vergleich an der Spitze der Teuerung

Laut Berichten des „heute journal“ des ZDF stiegen die Spritpreise in Deutschland zuletzt doppelt so stark wie im EU-Durchschnitt. Innerhalb der Europäischen Union ist der Sprit nur in den Niederlanden noch teurer als in der Bundesrepublik. In Nachbarländern wie Polen und Tschechien sind Benzin und Diesel deutlich günstiger zu haben.

Staatliche Abgaben als Preistreiber Nummer eins

Die enormen Preisunterschiede haben wesentlich mit den hohen staatlichen Abgaben in Deutschland zu tun. Die nationale CO₂-Abgabe liegt 2026 bei 55 bis 65 Euro je Tonne Kohlendioxid und sorgt allein für einen Preisanstieg von 15,7 bis 18,6 Cent je Liter Benzin. Bei Diesel verteuert sich der Liter durch diese Abgabe um 17,3 bis 20,5 Cent.

Nicht nur die CO₂-Abgabe, auch die Energiesteuer treibt die Preise in die Höhe. Laut NDR machte die Energiesteuer im Jahr 2025 mehr als 65 Cent je Liter Sprit aus. Der ADAC beziffert den Energiesteuersatz konkret auf 65,4 Cent je Liter bei Benzin und 47,0 Cent je Liter bei Diesel.

Mehr als die Hälfte jedes Liters landet beim Staat

Ein aktueller Ratgeber-Beitrag des ADAC verdeutlicht das Ausmaß der staatlichen Beteiligung: Nach dem Ölpreisanstieg Anfang März 2026 betrug der Steuer- und Abgabenanteil bei den Spritpreisen im Schnitt rund 58 Prozent bei Benzin und rund 48 Prozent bei Diesel. Diese Berechnung berücksichtigt auch die Mehrwertsteuer von 19 Prozent, die Tankstellenbetreiber auf die Kundschaft umlegen.

Konkret bedeutet diese Rechnung: Von jedem Euro, den Autofahrer für Benzin bezahlen, fließen 58 Cent direkt an den deutschen Staat. Bei Diesel sind es 48 Cent pro Euro. Diese hohe staatliche Belastung erklärt einen wesentlichen Teil der Preisunterschiede zu anderen EU-Ländern, wobei nur Schweden mit 119 Euro je Tonne Kohlendioxid noch höhere CO₂-Abgaben erhebt.

Die geplanten Maßnahmen der Bundesregierung zielen daher nicht nur auf die Regulierung der Tankstellenpreise, sondern werfen auch die grundsätzliche Frage nach der Höhe der staatlichen Abgaben auf Kraftstoffe in Deutschland auf.

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