Spritpreis-Debatte: Deutscher Staat kassiert mehr als Tankstellenbetreiber
Staat verdient mehr an Sprit als Tankstellen

Hitzige Debatte um Spritpreise: Staat profitiert stärker als Tankstellen

Die Preise für Benzin und Diesel in Deutschland erreichen täglich neue Höchststände. Während die schwarz-rote Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD nun mit Regulierungen für Tankstellen reagieren will, zeigt eine Analyse: Der deutsche Staat selbst verdient an jedem Liter Sprit deutlich mehr als die Tankstellenbetreiber.

Regierung plant Preiskontrollen nach österreichischem Vorbild

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) kündigte am Mittwoch in Berlin an, dass Tankstellen künftig nur noch einmal täglich ihre Preise erhöhen dürfen sollen. Dieses aus Österreich bekannte Modell soll schnellstmöglich eingeführt werden, um auf die ausufernden Spritpreise zu reagieren. Die Koalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will damit Verbraucher entlasten.

Gleichzeitig kündigte Reiche strengere Kontrollen der Mineralölkonzerne an. Hintergrund sind Vorwürfe möglicher Preisabsprachen im Umfeld des Iran-Kriegs. Das "scharfe Schwert des Kartellarms" solle künftig intensiver eingesetzt werden, betonte die Ministerin.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Deutschland im EU-Vergleich an der Spitze

Die Spritpreise in Deutschland sind innerhalb der Europäischen Union extrem hoch. Laut dem "heute journal" des "ZDF" stiegen sie doppelt so stark wie im EU-Durchschnitt. Nur in den Niederlanden ist der Sprit noch teurer. In Nachbarländern wie Polen und Tschechien sind Benzin und Diesel deutlich günstiger zu haben.

Herbert Rabl, Sprecher des Tankstelleninteressenverbandes, warnte bereits vor Preisen von bis zu 2,50 Euro pro Liter. Die Zwei-Euro-Schwelle beim E10-Benzin wurde bereits am 5. März durchbrochen.

Staatliche Abgaben treiben Preise in die Höhe

Die enormen Preisunterschiede haben wesentlich mit staatlichen Abgaben zu tun. Die nationale CO₂-Abgabe liegt 2026 bei 55 bis 65 Euro je Tonne Kohlendioxid. Dies führt zu einem Preisanstieg von 15,7 bis 18,6 Cent je Liter Benzin und 17,3 bis 20,5 Cent je Liter Diesel.

Hinzu kommt die Energiesteuer, die im Jahr 2025 mehr als 65 Cent je Liter Sprit ausmachte. Laut ADAC beträgt der Energiesteuersatz bei Benzin konkret 65,4 Cent je Liter, bei Diesel 47,0 Cent je Liter. Diese Steuern werden von den Tankstellenbetreibern direkt auf die Verbraucher umgelegt.

Staat kassiert den Großteil jedes Sprit-Euros

Eine detaillierte Analyse des ADAC zeigt das volle Ausmaß der staatlichen Beteiligung. Nach dem Ölpreisanstieg Anfang März 2026 betrug der Steuer- und Abgabenanteil bei den Spritpreisen im Schnitt rund 58 Prozent bei Benzin und 48 Prozent bei Diesel.

Diese Berechnung beinhaltet auch die Mehrwertsteuer von 19 Prozent, die ebenfalls auf den Endpreis aufgeschlagen wird. Konkret bedeutet dies: Von jedem Euro, den Verbraucher für Benzin zahlen, gehen 58 Cent an den Staat. Bei Diesel sind es 48 Cent. Damit profitiert der Staat deutlich stärker von den hohen Spritpreisen als die Tankstellen selbst.

Die Debatte um die Spritpreise zeigt somit ein grundlegendes Problem: Während die Bundesregierung Tankstellen regulieren will, trägt der Staat selbst durch hohe Abgaben wesentlich zur Preisentwicklung bei. Die geplanten Maßnahmen könnten daher nur einen Teil des Problems lösen, solange die steuerliche Belastung auf Benzin und Diesel unverändert bleibt.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration