Aldi Nord zeigt Interesse an Tegut-Filialen – Kartellamt könnte Übernahme stoppen
Aldi Nord interessiert sich für Tegut-Filialen

Aldi Nord verhandelt über Übernahme von Tegut-Filialen

Der geplante Verkauf der Supermarktkette Tegut zieht weitere Kreise im deutschen Lebensmittelhandel. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hat nun auch der Discounter Aldi Nord Interesse an einer einstellige Anzahl von Filialen bekundet. Das Unternehmen selbst machte auf konkrete Nachfragen allerdings keine detaillierten Angaben zu den Verhandlungen.

Migros zieht sich aus Deutschland zurück

Der bisherige Eigentümer von Tegut, der Schweizer Handelskonzern Migros, hatte erst in dieser Woche seinen Rückzug aus dem deutschen Markt angekündigt. Das Unternehmen plant, rund 200 der insgesamt mehr als 300 Tegut-Filialen sowie das Logistikzentrum im hessischen Michelsrombach an den Konkurrenten Edeka zu verkaufen. Beide Parteien haben bereits eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet, die jedoch noch der Zustimmung des Kartellamtes bedarf. Die Marke Tegut soll nach dem Verkauf vollständig aufgegeben werden. Der Großteil der Supermärkte der traditionsreichen Kette befindet sich in Hessen.

Rewe verhandelt über zweitgrößtes Filialpaket

Parallel zu den Gesprächen mit Edeka führt Migros nach eigenen Angaben auch Verhandlungen mit dem Handelskonzern Rewe über das zweitgrößte Filialpaket. Wie viele Märkte genau in diesem Paket enthalten sind, wurde nicht öffentlich gemacht. Rewe äußerte sich auf Nachfrage nicht zu den laufenden Gesprächen. Migros selbst nannte keine weiteren Einzelheiten zu möglichen Abnehmern oder dem aktuellen Stand der Verhandlungen. Erste Berichte zu diesen Entwicklungen waren zuvor bereits in der Fachpublikation „Lebensmittel Zeitung“ erschienen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Experten warnen vor hoher Marktkonzentration

Der renommierte Kartellrechtler Rupprecht Podszun sieht die geplanten Übernahmen von Tegut-Standorten mit großer Skepsis. Der Professor der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Mitglied der Monopolkommission hält es sogar für durchaus möglich, dass das Kartellamt die Vorhaben ganz oder teilweise untersagen könnte. Ein kürzlich veröffentlichtes Gutachten des Beratergremiums kam zu dem eindeutigen Schluss, dass die Konzentration im deutschen Lebensmittelhandel auf die vier großen Unternehmen Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) bereits ein sehr hohes Niveau erreicht hat.

Podszun erwartet deshalb eine besonders intensive und kritische Prüfung durch die Wettbewerbshüter. „Bislang wird in solchen Fällen oft argumentiert, dass es für Konsumenten in einer bestimmten Region ausreichend Auswahl unter den verschiedenen Supermärkten gibt“, erklärt der Experte. Die Marktmacht der großen Handelsketten sei jedoch längst nicht mehr nur regional begrenzt. Zudem drängten diese Unternehmen zunehmend auch in die Produktion vor. „Wir können nicht einerseits eine hohe Konzentration im Markt beklagen und andererseits einfach zusehen, wie die letzten verbliebenen kleineren Wettbewerber von genau diesen großen Unternehmen geschluckt werden“, warnt Podszun nachdrücklich.

Die Entwicklung zeigt deutlich, wie dynamisch sich der deutsche Lebensmitteleinzelhandel derzeit gestaltet. Während Migros seinen Rückzug aus Deutschland plant, positionieren sich die verbliebenen großen Player für weitere Expansion. Die Entscheidung des Kartellamtes wird dabei eine entscheidende Rolle für die zukünftige Wettbewerbslandschaft spielen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration