Iran-Konflikt treibt Lebensmittelpreise in Rostock – regionale Produkte bleiben stabil
Iran-Konflikt treibt Lebensmittelpreise in Rostock

Iran-Konflikt treibt Lebensmittelpreise in Rostock – regionale Produkte bleiben stabil

In den Rostocker Supermärkten zeichnen sich deutliche Veränderungen bei Preisen und Kaufverhalten ab. Auslöser sind die gestiegenen Kraftstoffkosten infolge der angespannten Lage rund um den Iran-Konflikt. Die Effekte treffen je nach Warengruppe und Lieferkette unterschiedlich stark auf – teils direkt an der Kasse, teils zeitverzögert über neue Einkaufskonditionen.

Vier Faktoren bestimmen die Preisentwicklung

Nach Einschätzung befragter Marktleiter prägen primär vier Aspekte die Preisentwicklung in Krisenzeiten: die Länge und Struktur der Transportketten, die Herkunft der Produkte – etwa bei Tomaten oder Honig –, das jeweilige Geschäfts- und Beschaffungsmodell des Marktes sowie die Dauer der Krise.

Kurzfristig schlägt sich die Lage, wie Stephan Cunäus, Marktleiter des Edeka Centers im Lütten Kleiner Warnow Park, erklärt, vor allem in der Konsumstimmung nieder. Er spricht von einer „emotionalen Teuerung“: Kunden greifen häufiger zu Aktionsangeboten und Eigenmarken, verschieben größere Anschaffungen und bündeln ihre Einkäufe, um Wege und Fahrtkosten zu sparen. Davon profitieren derzeit vor allem großflächige Märkte mit breitem Sortiment.

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„Für uns gleicht es sich aus: Es kommen mehr Menschen in den Markt, aber sie kaufen bewusster und achten stärker auf Preise“, so Cunäus.

Regionalität als Stabilitätsanker

Schon während Corona und der Energiekrise 2022 habe Cunäus festgestellt, dass regionale Erzeuger in Mecklenburg-Vorpommern eine erstaunliche Preisstabilität bieten können. Regionalität sei deutlich resistenter. Produziert werde direkt in der Region, die Abhängigkeiten von internationalen Rohstoff- und Logistikmärkten seien geringer und Preissprünge könnten somit besser abgefedert werden.

Der Marktleiter eines Rostocker Penny-Marktes, der anonym bleiben möchte, bestätigt: „Unsere regionalen Produkte und die Bio-Linien sind aktuell preislich am stabilsten.“ Diese Warengruppen blieben zumindest mittelfristig häufig von großen Ausschlägen verschont.

Vorteile für inhabergeführte Märkte

Zumindest aktuell würden sich bei unabhängigen Märkten mit regionalem Sortiment sowie inhabergeführten, etwa genossenschaftlich organisierten Verbund-Märkten wie Edeka deutliche Vorteile zeigen, meint Cunäus weiter. Denn als selbstständig agierende Unternehmen haben sie Spielraum in Sachen Produktsortiment und können besser auf Marktbewegungen reagieren.

Der Betreiber eines Bio-Supermarktes aus dem Rostocker Umland, der ebenfalls namentlich nicht genannt werden möchte, betont: „Wir haben Lieferanten aus der Region und ganz andere Lieferketten als die Coca-Cola- und Nestlé-Riesen. In der aktuellen Lage müssen wir weniger zittern.“

Gleichzeitig räumt er ein: „In anderen Zeiten haben wir dagegen das große Problem, überhaupt mit den Dumpingpreisen mitzuhalten.“ Denn in Zeiten genereller finanzieller Knappheit überlegten Kunden es sich zweimal, ob sie das grundsätzlich etwas höherpreisige, regionale Produkt gegenüber einer Discount-Eigenmarke wählen sollen und überhaupt können.

Importware bereits deutlich teurer

Ein völlig anderes Bild zeichnet sich für den Supermarkt „Schahriyar“ am Doberaner Platz in Rostock ab. Hier gibt es afghanisches Brot, iranisches Süßgebäck und Produkte, die regional in Rostock nicht zu finden sind. „Wir merken die Preissteigerung schon jetzt extrem“, erklärt Ali Safdari, ein Mitarbeiter des Marktes.

Die Gründe liegen auf der Hand: Die Versorgungswege, gerade aus dem Iran, sind aktuell sehr eng oder ganz gekappt und viele Händler halten die Produkte aus diesen Regionen „gerade auch künstlich zurück, um die Preisentwicklung zu beobachten“, so Safdari. Manche Produkte in dem kleinen, auf Importware spezialisierten Markt hätten preislich daher bereits um bis zu 30 Prozent angehoben werden müssen.

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Deutschland mit besten Lebensmittelpreisen in Europa

Trotz der Turbulenzen sieht Cunäus Deutschland im europäischen Vergleich weiterhin mit „den besten Lebensmittelpreisen“ – dank starker Discounterlandschaft, verlässlicher Strukturen und großer Einkaufsverbünde. Gleichwohl rechnet er ab der zweiten Jahreshälfte mit höheren Preisen bei Discountern und Markenlinien.

Wie sich das auf die Supermarkt-Struktur insgesamt auswirke, ob etwa kleinere inhabergeführte Unternehmen weiter verschwinden und die „Big Player“ am Ende als „Gewinner“ aus der Situation hervorgehen, das bleibt abzuwarten. Weltpolitik, so macht es den Anschein, landet schlussendlich eben doch immer auch am eigenen Küchentisch.