Gastronomie-Preise kaum gesunken: Mehrwertsteuersenkung dient vor allem Kostendeckung
Mehrwertsteuersenkung kaum an Gäste weitergegeben

Geringe Preissenkung trotz reduzierter Mehrwertsteuer in der Gastronomie

Viele Restaurantbesucher haben seit Jahresbeginn kaum einen finanziellen Vorteil von der gesenkten Mehrwertsteuer für Speisen bemerkt. Eine umfangreiche Datenerhebung bestätigt nun, dass die Preise in Restaurants und Kneipen tatsächlich nur minimal gesunken sind. Die erhoffte deutliche Verbilligung für die Gäste ist ausgeblieben.

KI-gestützte Analyse mit über 200.000 Preisdaten

Der Datenspezialist Meoton hat mehr als 200.000 Preise von über 30.000 gastronomischen Betrieben in Deutschland ausgewertet. Die Untersuchung verglich online veröffentlichte Speise- und Getränkekarten aus drei Zeiträumen: Mitte Dezember 2025, Mitte Januar 2026 und Mitte Februar 2026. Der ermittelte Preisindex für Speisen lag Mitte Februar bei 99,6 gegenüber einem Basiswert von 100 im Dezember – das entspricht einem Rückgang von lediglich 0,4 Prozent.

Interessanterweise sanken sogar die Preise für Getränke, obwohl für diese weiterhin der volle Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent gilt. Der Getränkeindex fiel auf 99,1. Christian Haese, Mitgründer von Meoton, kommentiert die Zahlen: „Die Mehrwertsteuersenkung wirkt – aber nicht als Preissenkung, sondern als Bremse gegen Preiserhöhungen.“ Ohne diese steuerliche Entlastung wären die Gastronomiepreise heute vermutlich deutlich höher.

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Gestiegene Betriebskosten absorbieren Steuervorteil

Rechnerisch hätte eine vollständige Weitergabe der Steuersenkung auf Speisen eine Preisreduktion von fast 10 Prozent bedeutet. Der tatsächliche Rückgang von 0,4 Prozent deutet darauf hin, dass der größte Teil der Entlastung dazu dient, gestiegene Betriebskosten aufzufangen. Parallel zur Mehrwertsteuersenkung stieg der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland von 12,82 Euro auf 13,90 Euro – eine erhebliche Belastung für Gastronomen, die viele Mitarbeiter zum Mindestlohn beschäftigen.

Die Entwicklung entspricht den Erwartungen des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, der sich jahrelang vehement für die Steuersenkung eingesetzt hatte. Viele Gastronomen hatten bereits vor dem Jahreswechsel betont, dass ein Restaurantbesuch kaum günstiger werden würde. Die Steuersenkung wird vielerorts genutzt, um die gestiegenen Kosten zumindest teilweise auszugleichen. Anfang 2027 steigt der Mindestlohn erneut auf 14,60 Euro, was weiteren Kostendruck erwarten lässt.

Die Analyse zeigt deutlich: Die Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie fungiert primär als Puffer gegen weitere Preiserhöhungen, nicht als spürbare Entlastung für die Verbraucher. Die strukturellen Herausforderungen der Branche – insbesondere steigende Personalkosten – absorbieren den steuerlichen Vorteil nahezu vollständig.

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