Forum Schwanthalerhöhe in München: Shoppingcenter stürzt im bundesweiten Ranking ab
Wie viele Münchnerinnen und Münchner waren überhaupt schon einmal im Forum Schwanthalerhöhe? Diese Frage stellt sich angesichts einer vernichtenden Studie des Immobilienberatungsunternehmens Ecostra. Das 2019 eröffnete Shoppingcenter an der Theresienwiese, das auf drei Ebenen Platz für 90 Mieter bietet und mit großen Namen wie dm, Hugendubel, Edeka, Lidl und H&M wirbt, ist bei seinen gewerblichen Mietern krachend durchgefallen.
Trauriger vorletzter Platz im Deutschland-Vergleich
In einer umfassenden Gesamtbetrachtung über bis zu 15 Jahre haben Ladenmieter dem Einkaufszentrum ein desaströses Zeugnis ausgestellt. Das Forum Schwanthalerhöhe landete in einem Ranking mit insgesamt 237 Shoppingcentern in der Bundesrepublik auf dem vorletzten Platz 236. Die Auswertung von 48 Bewertungen ergab eine schwache Gesamtnote von 4,4. Lediglich das Shoppingcenter Flair in Fürth schnitt mit einer Note von 4,59 noch schlechter ab.
Joachim Will, Geschäftsführer der Beratungsfirma Ecostra, äußerte sich gegenüber der AZ unverblümt: "Man fragt sich, was das dort soll. Ein Nahversorgungszentrum an diesem Standort ist okay, aber ein Shoppingcenter in dieser Größe hat es nicht gebraucht. Es ist ja nicht mal direkt neben der U-Bahn." Die Kundschaft fahre nicht extra zum Shoppen dorthin, wenn der Marienplatz und die Fußgängerzone mit ihren vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten nur wenige U-Bahn-Stationen entfernt seien.
Mieter klagen über mangelnde Rentabilität
Die schlechten Noten der Mieter begründen sich laut Studie vor allem in der fehlenden Wirtschaftlichkeit. Der Ertrag stimme gemessen an den hohen Standortkosten, zu denen Miete und Nebenkosten zählen, einfach nicht. Dieses fundamentale Problem hat offenbar auch die Eigentümer, die Hanseatische Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft HBB, erreicht.
Center-Manager Vladimir Tinchev teilte mit, dass das Forum bereits "umfassend neu positioniert" werde. Das Ziel sei die Wandlung zu einem urbanen Treffpunkt mit einem deutlich stärkeren Erlebnis- und Freizeitangebot. Geplant sind unter anderem:
- Karaoke-Räume und Escape Rooms im ersten Obergeschoss
- Zusätzliche Sport- und Aktivitätsangebote
- Eine große Erlebnis-Gastronomie mit dem Hot-Pot-Konzept ShooLoongKan im Erdgeschoss, deren Eröffnung für April vorgesehen ist
Auf der Homepage des Centers wird bereits mit familienfreundlichen Aktionen wie Osterhasenbasteln und Kasperltheater geworben, um neue Besuchergruppen anzusprechen.
Bayerische Vergleichswerte zeigen deutliche Unterschiede
Im Ecostra-Ranking sind insgesamt 24 Shoppingcenter aus Bayern gelistet. Das beste Ergebnis unter ihnen erzielte das Donau-Einkaufszentrum in Regensburg, das 1967 eröffnete und mit der Note 2,01 bundesweit auf Platz 11 rangiert. Von den fünf bewerteten Münchner Einkaufszentren schnitten die Pasing Arcaden am besten ab (bayernweit Platz 5, bundesweit Platz 32), gefolgt vom Pep (bayernweit Platz 9, bundesweit Platz 73) und dem OEZ (bayernweit Platz 13, bundesweit Platz 92).
Die Geschichte des Standorts an der Schwanthalerhöhe ist wechselhaft: Bis Ende 2013 hatte hier der Möbelriese XXXLutz sein Domizil. Sechs Jahre später, im Jahr 2019, eröffnete dann das Shoppingcenter mit großem Angebot, das jedoch den erhofften Erfolg bislang schmerzlich vermissen lässt. Ob das neue Freizeit- und Erlebniskonzept die erhoffte Wende bringen kann, bleibt abzuwarten.



