Eine Begegnung, die den Maßstab für echten Service setzt
Nicht jeder ist für die Dienstleistungsbranche geboren – diese Erfahrung macht unsere Redakteurin besonders im Osten Deutschlands häufig. Doch dann erlebte sie eine Geschichte in einer Fleischerei, die alle Erwartungen übertraf und zeigte, was echter Kundenservice bedeutet.
Die Suche nach einer Mahlzeit wird zum besonderen Erlebnis
An einem freien Nachmittag machte sich unsere Redakteurin mit ihrer Mutter und ihrem Sohn auf den Weg zum Stettiner Haff. Die Hoffnung: ein leckeres Fischbrötchen und Ostseewind. Die Realität: Trotz besten Frühlingswetters und zahlreicher Touristen waren alle Gastronomiebetriebe in zwei kleinen Erholungsorten noch geschlossen. Auch in Ueckermünde, wo sie drei bekannte Fischverkaufsstellen ansteuerten, fanden sie verschlossene Türen vor.
Als die Mägen immer lauter knurrten und sie bereits die Rückfahrt erwogen, fiel ihr Blick auf die Filiale von Robert Kriewitz. „Na dann holen wir uns halt Wurst und essen zu Hause“, sagte sie zu ihren Begleitern. Doch damit hatten sie die Rechnung ohne Monika Tessmann gemacht.
Monika Tessmann: Die geborene Verkäuferin
Monika Tessmann ist eine quirlige, kleine und äußerst kommunikative Person. Die 66-Jährige steht seit Ewigkeiten hinter dem Tresen des Ueckermünder Fleischers – seit ihrem Renteneintritt zwar nur noch auf Zuverdienstbasis, aber mit ungebrochener Leidenschaft. Sie gehört zu der immer kleiner werdenden Kaste der geborenen Verkäufer, die ihren Beruf nicht nur ausüben, sondern leben.
Die Vollblut-Servicekraft sah den enttäuschten Gesichtsausdruck der Familie schon beim Hereinkommen. Der Mittagstisch war zwar längst vorbei, aber das hielt Monika Tessmann nicht davon ab, sofort zur Höchstform aufzulaufen.
Service, der Herzen und Mägen erwärmt
In Windeseile wurde ein Glas selbstgemachter Soljanka geöffnet und in der Mikrowelle erwärmt. Parallel dazu häufte sie für den Junior Unmengen an Kartoffelsalat à la Kriewitz auf den Teller, gekrönt von einem knusprigen Kotelett. Weil sie die hungrigen Blicke ihrer Gäste richtig deutete, wanderten auch noch ein Burger und belegte Brötchen an den Tisch.
Währenddessen schnitt ihr junger Kollege Niclas Jelitte, der ihr an Liebe zum Beruf in nichts nachstand, Kostproben auf. Fenchelsalami, mediterranes Filet, Rindsknacker – schon der Duft ließ das Wasser im Mund zusammenlaufen. Doch damit nicht genug: Der erst 17-jährige Azubi im zweiten Lehrjahr machte seiner älteren Kollegin Konkurrenz, indem er redegewandt die Herstellungsprozesse erläuterte, die Qualität pries und seinen Chef für dessen Erfindungsreichtum und Elan lobte.
Ein Team, das Begeisterung verbreitet
„Das ist ein Macher“, befanden beide Mitarbeiter stolz über ihren Chef. Die Begeisterung war ansteckend – so sehr, dass die Familie sich nicht nur die Bäuche vollschlug, sondern im Anschluss auch mit prall gefüllten Taschen das Geschäft verließ.
„Warum ist das bloß nicht überall so?“, fragte unsere Redakteurin nachdenklich im Auto. Sofort fielen ihr etliche Lokale und Läden ein, wo man Gäste mit einem mauligen „Mittagstisch ist vorbei“-Spruch genervt abgefertigt hätte.
Was macht den Unterschied aus?
Unser Fazit: Irgendetwas muss der Boss dort verdammt richtig machen. Doch genauso wichtig ist es wahrscheinlich, dass die Bezahlung stimmt und der richtige Mensch am richtigen Arbeitsplatz steht. Denn zum Dienstleisten muss man geboren sein – eine Fähigkeit, die Monika Tessmann und Niclas Jelitte in Perfektion beherrschen.
Diese Geschichte aus der Uckermark zeigt, dass exzellenter Service keine Frage der Region oder Branche ist, sondern von Menschen gemacht wird, die ihre Arbeit mit Leidenschaft und Herzblut ausüben. In einer Zeit, in der Servicewüste oft zum Alltag gehört, sind solche Begegnungen umso wertvoller.



