Überraschung in der Neubrandenburger Südstadt: Der Supermarkt an der Ecke Neustrelitzer und Bergstraße wird nicht mehr saniert. Statt einer geplanten Erweiterung des Rewe-Marktes in der Neustrelitzer Straße 67 werden nun bald die Abrissbagger anrücken. Erst vor wenigen Tagen war bereits der Aldi-Markt am Eschenhof abgerissen worden, auch dort entsteht ein Neubau.
Stadtvertretung muss über Bebauungsplan abstimmen
An gleicher Stelle soll ein zweigeschossiger Neubau mit rund 1850 Quadratmetern Verkaufsfläche und 95 Stellplätzen entstehen. Das sieht der vorhabenbezogene Bebauungsplan Nummer 38 vor. Der Hauptausschuss hat die Vorlage zuletzt in die Fachausschüsse verwiesen, endgültig darüber entscheiden soll die Stadtvertretung am 18. Juni.
Der bisherige Markt stammt aus dem Jahr 1999. Er entspreche weder technisch noch funktional zeitgemäßen Anforderungen, heißt es im Antrag des Vorhabenträgers. Die Gebäudetechnik sei überholt und abgenutzt. Mängel bei Zugang, Stellplatzanlage, Grundrissorganisation und Verkaufsfläche ließen sich durch Umbauten nicht in dem erforderlichen Umfang beheben.
Stockwerke mit Laufbändern erreichbar
Frank Renner, Leiter des Bereichs Stadtplanung, Wirtschaft und Bauordnung, bestätigt diese Einschätzung im Hauptausschuss. Geplant ist ein zweigeschossiger Bau: Im offenen Erdgeschoss entstehen 47 Parkplätze, ergänzt um 48 weitere Stellplätze auf dem Grundstück. Das Obergeschoss nimmt die Verkaufsfläche auf, erschlossen über Laufbänder.
Statt der bisherigen kleineren Fläche stehen künftig rund 1.850 Quadratmeter zur Verfügung. Der Zugang wird von der Stirnseite an die Längsseite des Gebäudes verlegt. Als Vorhabenträger tritt die Stoll Vermögensverwaltung mit Sitz in Wiesbaden auf. Der Eigentümer der bisherigen Verkaufsstätte betreibt nach eigenen Angaben drei weitere Rewe-Märkte. Der Neubau in Neubrandenburg werde aus Eigenmitteln und einem Bankdarlehen finanziert.
Solche vorhabenbezogenen Bebauungspläne sind ein im Baugesetzbuch verankertes Werkzeug. Anders als beim klassischen Bebauungsplan stellt nicht die Kommune die Planung auf, der Investor übernimmt sie über einen Durchführungsvertrag. Die Stadt prüft und beschließt, der Vorhabenträger trägt die Kosten. Auch hier sollen für die Stadt keine finanziellen Auswirkungen entstehen.
Sorgen ums Einkaufen in der Südstadt
Der Zeitplan zur Fertigstellung werde erst nach dem Ausschussbeschluss festgelegt, sagt Renner. Die Stadt strebe das beschleunigte Verfahren nach Paragraf 13a Baugesetzbuch an, ergänzt um eine Umweltverträglichkeitsvorprüfung des Einzelfalls. Das beschleunigte Verfahren ist für sogenannte Innenentwicklungen gedacht, also für die Wiedernutzung bereits versiegelter Flächen.
Eine Besonderheit liegt im Standort: Das Grundstück befindet sich im Bereich des Baudenkmals „Hochhausensemble Neustrelitzer Straße“. Einfügung in die Umgebung, Blickachsen, Baukörper, Farbgestaltung und Materialität seien mit der unteren Denkmalbehörde und dem Landesamt für Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern abgestimmt, heißt es in den Unterlagen.
Vollsortimenter für Kaufhof Süd geplant
Im Hauptausschuss zog auch das Areal Kaufhof Süd, ein paar Hundert Meter weiter, in die Debatte ein. Auch dafür liege ein Antrag auf ein vorhabenbezogenes Bebauungsplanverfahren vor, sagt Renner. Der Vorhabenträger plane, den Altbestand abzureißen und ein neues Einkaufszentrum zu errichten. Geplant sei ein Vollsortimenter, kein Discounter. Über diesen B-Plan muss die Stadtvertretung gesondert befinden.
Ratsherr Jan Kuhnert (BSW/BfN) verknüpfte die beiden Vorhaben: Der Kaufhof Süd dürfe erst dann umgebaut werden, wenn die Erweiterung des Aldi-Marktes in der Wilhelm-Külz-Straße abgeschlossen sei, sonst werde es für die Anwohner mit den Einkaufsmöglichkeiten knapp. Der Aldi ist seit Anfang November 2025 wegen Modernisierung geschlossen, der Edeka im Kaufhof Süd seit Ende August. Renner beruhigt: Die Sanierung in der Külzstraße sei zur gleichen Zeit fertig wie das B-Plan-Verfahren am Kaufhof Süd. „Das geht auch in der Zeitlinie auf“, sagt er.



