Die Fahrzeuge auf Europas Straßen werden immer größer – und das mit jedem Jahr. Laut einer aktuellen Untersuchung der Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) hat die Länge neu verkaufter Autos in Europa seit dem Jahr 2000 jährlich um durchschnittlich 1,2 Zentimeter zugenommen. Auch die Breite und die Höhe der Motorhauben steigen demnach kontinuierlich an, jeweils um einen halben Zentimeter pro Jahr.
Parkplatzverlust in deutschen Städten
Die Organisation prognostiziert, dass Städte bei einer Fortsetzung dieses Trends bis zum Jahr 2040 zwischen 8,5 und 14 Prozent ihrer Parkflächen verlieren werden. Grund dafür ist, dass die immer größeren Fahrzeuge oft mehr als einen normal großen Stellplatz benötigen. Am Beispiel Berlins bedeutet dies, dass auf den Straßen der Stadt bis zu 71.000 bis 117.500 Pkw weniger abgestellt werden könnten als heute. Das Problem der Parkplatzsuche, das bereits jetzt für viele Autofahrer frustrierend ist, würde sich damit weiter verschärfen.
Mehr Verkehrstote durch größere Autos
Neben dem Platzmangel warnt T&E auch vor einem Anstieg der Verkehrstoten. Insbesondere gefährdete Verkehrsteilnehmer wie Kinder, Fußgänger und Fahrradfahrer seien durch die zunehmende Größe der Fahrzeuge stärker bedroht. Die Organisation stützt sich dabei auf eine Studie aus dem Jahr 2023, die einen direkten Zusammenhang zwischen einer höheren Motorhaube und einem erhöhten Risiko für tödliche Unfälle mit ungeschützten Verkehrsteilnehmern nachweist.
Forderungen nach regulatorischen Maßnahmen
Die an der Studie beteiligte Organisation Clean Cities fordert, das Wachstum der Neuwagen zu stoppen. Sie schlägt vor, dass die Europäische Union in ihren Pkw-Standards Obergrenzen für die Fahrzeuggröße einführt und in der CO2-Regulierung nur noch elektrische Kleinwagen bevorzugt. Zudem sollten nationale Regierungen und Kommunen die Kfz-Steuern und Parkgebühren nach Fahrzeuggröße staffeln.
Ähnlich äußerte sich die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Sie forderte alle deutschen Städte auf, übergroße SUVs und Pick-ups aus den dicht besiedelten Innenstädten zu verbannen. „Immer größere Autos blockieren zunehmend Gehwege und Grünflächen und machen Unfälle tödlicher – besonders für Kinder, Ältere und Menschen, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind“, sagt DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch. Dem einen Riegel vorzuschieben, sei „nichts als Notwehr“. Und weiter: „Neben einem Verbot von Monster-SUVs und Pick-ups in Innenstädten braucht es regulatorische Vorgaben gegen den SUV-Wahn.“
Bürger befürworten höhere Gebühren für SUVs
Eine Umfrage aus dem Jahr 2025 zeigt, dass 55 Prozent der befragten Personen offen für höhere Parkgebühren für SUVs sind. Bisher haben jedoch nur wenige deutsche Städte entsprechende Maßnahmen ergriffen. In Zürich stimmten die Bürger im vergangenen Jahr in einem Referendum einer Parkkartenverordnung zu, die ab 2027 gestaffelte Gebühren nach Fahrzeuggewicht vorsieht. Paris hat bereits 2024 nach einer Volksabstimmung Anti-SUV-Gebühren für Besucherparken eingeführt: Ein SUV im Pariser Zentrum kostet 18 Euro pro Stunde – dreimal so viel wie für Kleinwagen.



