Tegut vor dem Aus: Edeka übernimmt Filialen - Was das für München bedeutet
Tegut vor dem Aus: Edeka übernimmt Filialen in München

Tegut schließt alle Filialen: Das Ende einer Bio-Marke

Nach wochenlangen Gerüchten steht nun fest: Die Supermarktkette Tegut wird bis Ende des Jahres vollständig vom deutschen Markt verschwinden. Der Schweizer Mutterkonzern Migros hat beschlossen, die seit 2013 zur Gruppe gehörende Bio-Kette aufzulösen. Rund 7400 Beschäftigte sind von dieser Entscheidung betroffen, darunter auch das Personal in den 14 Münchner Filialen.

Edeka als Retter für viele Standorte

Die gute Nachricht für einen Großteil der Mitarbeiter: Migros verkauft etwa 200 der bundesweit rund 300 Tegut-Filialen an den Handelskonzern Edeka. Dieser Deal umfasst neben den Supermärkten auch das Logistikzentrum in Michelsrombach, die Bäckerei Herzberg sowie die Schwestergesellschaft Smart Retail Solutions mit ihren etwa 40 autonomen Teo-Märkten.

Voraussetzung für die Übernahme ist allerdings die Zustimmung des Bundeskartellamts. Weder Migros noch Edeka haben bisher Angaben zum Kaufpreis gemacht. Die übernommenen Tegut-Märkte sollen auf die Edeka-Regionen Hessenring, Südwest, Südbayern und Nordbayern verteilt werden.

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Ungewissheit in München

Ob auch die Münchner Filialen von der Übernahme betroffen sind, wollte die EDEKA Südbayern Handels Stiftung & Co. KG auf Anfrage noch nicht detailliert erläutern. In den Tegut-Märkten herrscht derzeit eine angespannte Stimmung. Mitarbeitern wurde eine Schweigepflicht auferlegt, sodass sie sich nicht zur Situation äußern dürfen.

Erst am vergangenen Samstag wurde einer Redakteurin in einer Münchner Filiale noch erklärt, die halbleeren Regale seien auf eine Umstellung auf reine Bio-Produkte zurückzuführen. Dies zeigt, wie überraschend die endgültige Entscheidung für viele Beschäftigte kam.

Weitere Übernahmen durch Rewe geplant

Neben Edeka verhandelt Migros nach eigenen Angaben "mit weiteren bekannten deutschen Marktteilnehmern". Verschiedenen Berichten zufolge sollen eine hohe zweistellige Anzahl weiterer Standorte an Rewe gehen, allerdings ohne zentrale Verwaltungsfunktionen. Rewe selbst äußert sich nicht zu möglichen Filialübernahmen.

Arbeitsplätze und finanzielle Verluste

Eine Sprecherin der Genossenschaft Migros Zürich teilte mit, dass die Arbeitsplätze in den übernommenen Märkten "erhalten werden sollten". Unklar bleibt jedoch, wie viele Mitarbeiter aus der Betriebszentrale, der Logistik und der Bäckerei weiterbeschäftigt werden können. Auch ob der Markenname Tegut erhalten bleibt, ist bisher nicht bekannt.

Die Übernahme von Tegut hat sich für Migros als finanzieller Reinfall erwiesen. Seit der Übernahme im Jahr 2013 bis zum endgültigen Verkauf Ende 2026 belaufen sich die Verluste laut Konzernangaben auf maximal 600 Millionen Euro. Tegut erzielte im Geschäftsjahr 2024 einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro, was nur etwa 2 Prozent des deutschen Detailhandelsumsatzes entspricht.

Konzernchef Patrik Pörtig bezeichnete die Entwicklung als "sehr schmerzhaft" und betonte, dass dabei viel Kapital vernichtet worden sei. Die relativ kleine Unternehmensgröße und der hartnäckige Sparkurs konnten den Niedergang der Bio-Kette nicht aufhalten.

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