Hunderten Bewohnern eines Wohnkomplexes in Göttingen drohen Räumungsklagen. Die Immobiliengesellschaft Sivius, der die meisten Wohnungen in dem verwahrlosten Gebäude in Bahnhofsnähe gehören, kündigte an, ab kommender Woche die ersten Klagen bei Gericht einzureichen. Betroffen sind rund 118 Wohnungen und schätzungsweise 300 Menschen.
Zahlungsrückstände von monatlich 60.000 Euro
Als Gründe nannte das Unternehmen teilweise überbelegte Wohnungen sowie erhebliche Zahlungsrückstände. Diese beliefen sich auf monatlich rund 60.000 Euro. „Die Forderungen sind über die vergangenen Monate und teilweise über mehrere Jahre entstanden“, teilte Sivius mit. Ziel sei es, ungeklärte Mietverhältnisse und die Zahlungsrückstände zu ordnen.
Die Klagen bedeuten jedoch keine direkte Räumung. Darüber würden Gerichte im Einzelfall entscheiden, betonte das Unternehmen. Man habe über Monate versucht, außergerichtliche Lösungen zu finden und gerichtliche Verfahren zu vermeiden.
Kritik an Stadt Göttingen
Sivius kritisierte zugleich die Stadt Göttingen: Bei der Verwaltung seien noch zahlreiche Anträge auf Übernahme von Mietschulden offen. Das Unternehmen erklärte, die Zahlungsrückstände erschwerten die Sanierung des Gebäudes.
Erst kurz vor Weihnachten hatte Sivius über eine Tochtergesellschaft die meisten Wohnungen in dem Gebäude an der Groner Landstraße 9 übernommen. Geschäftsführer Taha Jacobi kündigte damals an, die Immobilie sanieren und wieder zu einem attraktiven Wohnangebot entwickeln zu wollen.
Fernwärme-Stopp abgewendet
Am Montag wurde zudem bekannt, dass zwischenzeitlich ein Stopp der Fernwärme-Versorgung des Gebäudes im Raum stand. Das „Göttinger Tageblatt“ berichtete von ausstehenden Zahlungen an die Stadtwerke Göttingen. Die Wohnungseigentümergemeinschaft und der Versorger hätten sich jedoch einigen können. Stadtwerke und Sivius wollten sich dazu nicht äußern.
Der 432-Wohnungen-Komplex sorgt wegen der Lebensumstände dort regelmäßig für Schlagzeilen. Im vergangenen Jahr hatte die defekte oder abgestellte Heizung immer wieder für Aufsehen gesorgt. Ob sie inzwischen wieder in Betrieb ist, bleibt unklar.



