Rente mit 67: Scharfe Kritik von Bau-Firmen in Aichach-Friedberg
Rente mit 67: Kritik von Bau-Firmen in Aichach-Friedberg

Die Rente mit 67 stößt bei Bauunternehmen im Landkreis Aichach-Friedberg auf scharfe Kritik. Viele Betriebe sehen keine Möglichkeit, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bis zu diesem Alter auf den Baustellen zu beschäftigen. Die körperlichen Anforderungen seien zu hoch, die gesundheitlichen Risiken zu groß, heißt es aus der Branche. Die Unternehmen fordern ein Umdenken in der Rentenpolitik.

Das Baugewerbe ist besonders betroffen

Die Arbeit im Baugewerbe unterscheidet sich grundlegend von vielen anderen Berufen. Auf Baustellen wird schwer angepackt: Materialien müssen getragen, Maschinen bedient und Gerüste auf- und abgebaut werden. Die Belastung für den Bewegungsapparat ist enorm. Nicht selten leiden Bauarbeiter bereits in ihren Fünfzigern unter chronischen Schmerzen. Rückenleiden, Gelenkverschleiß und andere berufsbedingte Erkrankungen sind weit verbreitet. Die Unternehmen berichten, dass ein Großteil der älteren Mitarbeiter gesundheitlich am Limit ist. Ein Durchhalten bis zum regulären Rentenalter von 67 Jahren ist für die meisten Bauleute eine unvorstellbare Vorstellung.

Hinzu kommt das Unfallrisiko. Ältere Arbeitnehmer auf dem Bau sind häufiger von Stürzen und anderen Zwischenfällen betroffen. Reaktionsschnelligkeit und Balance lassen mit dem Alter nach, während die Arbeit auf Gerüsten oder in der Höhe anspruchsvoll bleibt. Das erhöht die Gefahr für die Gesundheit und die Sicherheit am Arbeitsplatz. Die Betriebe sehen sich daher in der Verantwortung, ihre Mitarbeiter nicht zu überfordern. Sie geraten jedoch in einen Zielkonflikt mit der gesetzlichen Altersgrenze.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Kritik an der starren Rentenpolitik

Die Bauunternehmen kritisieren die Bundespolitik, die an der Rente mit 67 festhält. Diese Regelung sei realitätsfern und nehme keine Rücksicht auf die unterschiedlichen Belastungen der Berufsgruppen. Einem Bauarbeiter könne man nicht zumuten, bis zum 67. Lebensjahr dasselbe Pensum abzuleisten wie einem Angestellten im Büro. Die Politik müsse endlich anerkennen, dass die Lebensarbeitszeit nicht für alle gleich sein könne. Stattdessen brauche es eine flexible Übergangsphase und Anreize für früheres Ausscheiden.

Die Firmen verweisen darauf, dass viele Bauarbeiter bereits mit 60 Jahren nicht mehr in der Lage sind, ihre Tätigkeit auszuüben. Wenn sie dennoch bis 67 arbeiten müssten, sei eine Erwerbsminderung vorprogrammiert. Das wäre teuer für die Sozialkassen und frustrierend für die Betroffenen. Besser wäre es, älteren Beschäftigten einen attraktiven, abschlagsfreien Renteneintritt zu ermöglichen, wenn sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten können. Dazu müssten auch Abschläge überdacht werden.

Was die Bauwirtschaft fordert

Konkret fordern die Unternehmen ein Bündel von Maßnahmen. Dazu gehören flexible Arbeitszeitmodelle für ältere Beschäftigte, die eine schrittweise Reduzierung der Arbeitszeit bis zum Renteneintritt ermöglichen. Die Altersteilzeit sollte wieder stärker gefördert werden – sowohl als Vollzeitmodell als auch als Teilzeitmodell. Auch ein Ausgleich für besonders belastende Berufe wird verlangt. So könnten Bauarbeiter eine Art "Schwerarbeiterrente" erhalten, die ihnen einen früheren Renteneintritt ohne hohe Abschläge ermöglicht.

Darüber hinaus appellieren die Betriebe an die Politik, die Rentenformel zu überarbeiten. Die Beitragsjahre und die tatsächliche Lebensleistung sollten stärker gewichtet werden. Ein Bauarbeiter, der 45 Jahre lang auf dem Bau geschuftet hat, hat ein Anrecht auf einen würdigen Ruhestand – ohne dass ihm finanzielle Nachteile entstehen. Die Unternehmen sehen sich bereit, an solchen Modellen mitzuwirken, etwa durch Zuschläge oder tarifliche Lösungen.

Die Situation in Aichach-Friedberg

Im Landkreis Aichach-Friedberg sind zahlreiche mittelständische Bauunternehmen ansässig. Sie bilden das Rückgrat der regionalen Wirtschaft und beschäftigen viele hundert Menschen. Der Fachkräftemangel macht sich auch hier bemerkbar. Ältere Mitarbeiter sind deshalb besonders wertvoll, weil sie über Erfahrung und Wissen verfügen, das nicht leicht zu ersetzen ist. Die Unternehmen möchten diese Kompetenzen möglichst lange halten, allerdings nicht um jeden Preis. Sie wünschen sich Rahmenbedingungen, die es ermöglichen, ältere Arbeitnehmer gesund und motiviert in den Ruhestand zu führen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Einige Betriebe haben bereits eigene Programme aufgelegt. Sie investieren in ergonomische Arbeitsmittel, bieten Gesundheitskurse an und planen den Arbeitseinsatz so, dass ältere Mitarbeiter weniger belastenden Tätigkeiten ausgesetzt sind. Diese Maßnahmen stoßen jedoch an Grenzen, wenn die gesetzliche Altersgrenze ihnen zuwiderläuft. Die Betriebe fordern daher eine Entlastung von bürokratischen Hürden und mehr Unterstützung vom Staat.

Gewerkschaften und Politik reagieren

Auch die Gewerkschaften machen seit Langem auf die Probleme der Rente mit 67 aufmerksam. Sie bemängeln, dass die Belastungen vieler Berufe zu wenig berücksichtigt werden. Die IG Bau hat wiederholt eine Reform gefordert, die den besonderen Verdienst von Beschäftigten in körperbelastenden Berufen anerkennt. Die Bauunternehmen in Aichach-Friedberg sehen sich durch solche Forderungen bestärkt. Sie hoffen auf eine Signalwirkung für die kommenden Koalitionsverhandlungen im Bund.

Erste politische Reaktionen zeigen, dass das Thema ernst genommen wird. Allerdings gibt es auch Gegenwind: Wenn das Rentenalter gesenkt werde, fehlten der Rentenversicherung Einnahmen, warnen Kritiker. Die Bauunternehmen kontern, dass die Kosten einer späteren Erwerbsminderung höher seien. Eine vorausschauende Rentenpolitik müsse daher langfristig rechnen und nicht nur kurzfristige Haushaltslöcher stopfen. Die Diskussion ist also noch nicht abgeschlossen.

Alternativen zur Rente mit 67

Als Alternative zur starren Altersgrenze schlagen Experten eine "Flexi-Rente" vor, die bereits heute existiert. Sie ermöglicht es, vorzeitig in Rente zu gehen und gleichzeitig weiterzuarbeiten. Auch die Kombination von Teilrente und Teilzeitarbeit wird als sinnvoll erachtet. Die Bauunternehmen wünschen sich jedoch mehr Klarheit und einfachere Regelungen. Viele ältere Mitarbeiter wüssten nicht, welche Möglichkeiten sie haben und wie sich der Renteneintritt finanziell auswirkt. Eine transparente Beratung sei daher notwendig.

Ein weiterer Vorschlag zielt auf die betriebliche Altersvorsorge. Diese könnte ausgebaut werden, um eine frühere Verrentung zu ermöglichen. Die Baubranche hat hier bereits gute Erfahrungen gemacht, insbesondere bei tariflich vereinbarten Lösungen. Die Firmen sind bereit, Beiträge zu leisten, sofern der Staat steuerliche Anreize schafft. Eine Kombination aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge könnte die Spielräume erweitern. Ohne eine Reform der Rente mit 67 bleibt der Druck auf dem Bau jedoch hoch.

Die Zukunft der Rente wird also auch in Aichach-Friedberg mit Spannung verfolgt. Die Bauunternehmen sind sich einig: Ein Festhalten an der Rente mit 67 ohne Ausnahmen wäre ein Fehler. Sie appellieren an die Vernunft der Politik und fordern einen Dialog mit den Betroffenen. Nur so könne eine Lösung gefunden werden, die den Menschen gerecht werde. Bis dahin bleibt die Kritik der Bauwirtschaft an der Politik bestehen.