Bauernpräsident warnt vor Liquiditätskrise in der Landwirtschaft
Bauernpräsident warnt vor Liquiditätskrise

Die wirtschaftliche Lage vieler landwirtschaftlicher Betriebe in Deutschland hat sich dramatisch zugespitzt. Bauernpräsident Joachim Rukwied warnt vor einer drohenden Liquiditätskrise, falls sich die Preise für landwirtschaftliche Produkte nicht bald erholen. „Wenn wir keine Preiserholungen in unseren Märkten bekommen, dann wird die Landwirtschaft in eine echte Liquiditätskrise hineinlaufen“, sagte Rukwied der Deutschen Presse-Agentur vor dem Deutschen Bauerntag in Freiburg. Die Gründe sind vielfältig: gestiegene Betriebskosten, insbesondere für Düngemittel, und gleichzeitig niedrige Erzeugerpreise für Getreide, Schweinefleisch und Milch.

Preisverfall bei Getreide und steigende Düngerkosten

Die anstehende Ernte 2026 bereitet den Landwirten große Sorgen. „Die Preissituation im Ackerbau ist für alle Getreidearten miserabel, bis auf Raps“, erklärte Rukwied. Viele Bauern hätten bereits die Düngung reduziert, um Kosten zu sparen. Dies könne dazu führen, dass statt Qualitätsweizen nur noch Futterweizen produziert werde. Die Preise für Stickstoffdünger liegen aktuell um etwa 30 Prozent höher als vor einem Jahr. Zwar hätten sich einige Betriebe Mengen durch Vorverträge gesichert, doch Rukwied rechnet mit einem länger anhaltend hohen Preisniveau: „Wir haben die realistische Einschätzung, dass das deutlich höhere Preisniveau noch länger anhält, weil die Versorgungslage knapp ist.“

Schweinefleisch und Milch unter Druck

Auch in der Tierhaltung ist die Situation kritisch. „Bei Schweinefleisch sind wir jetzt bei 1,50 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht“, sagte Rukwied. „Vor nicht langer Zeit waren es deutlich über 2 Euro.“ Damit lege jeder Schweinehalter Geld zu. Die Milchpreise seien ebenfalls nicht zufriedenstellend. Im Obst- und Gemüseanbau belastet zudem der gestiegene Mindestlohn von 12,82 Euro auf 13,90 Euro pro Stunde die Betriebe. „Die Gesamtlage ist kritisch“, fasste der Bauernpräsident zusammen.

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Hoffnung auf Fußball-WM bleibt bislang unerfüllt

Ein sommerliches Großereignis wie die laufende Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko könnte eigentlich für Impulse bei Grillfleisch und anderen Produkten sorgen. Doch Rukwied sieht bisher keine Belebung: „Eine WM-Belebung für die Nachfrage sehen wir bisher leider nicht.“ Er hofft, dass eine starke deutsche Mannschaft die Stimmung verbessern könnte. Allerdings spiele auch der späte Anpfiff vieler Spiele eine Rolle: „Wenn man am nächsten Tag zur Arbeit geht, dann fängt man nicht um 21 Uhr an zu grillen.“ Er ruft dazu auf, das Grillen vorzuziehen und sieht kurzfristige Preisaktionen in Supermärkten als sinnvoll an, um Mengen aus dem Markt zu bringen.

Weltmarktpreise und Konsumverhalten als Ursachen

Generell sinke der Anteil der Landwirte am Endpreis der Lebensmittel stetig, monierte Rukwied. „Die Lebensmittelpreise sind über die vergangenen fünf Jahre deutlich gestiegen, unsere Preise aber nicht. Das passt nicht mehr, und das geht auf Dauer auch nicht gut.“ Andere Teile der Lebensmittelkette könnten höhere Kosten eher weitergeben. Die Bauern seien jedoch dem Weltmarkt ausgesetzt, wo gute Ernten weltweit die Preise drücken. Hinzu komme ein zurückhaltenderer Konsum: „Nach der Inflation der vergangenen Jahre wird kostenorientierter eingekauft, teils auch weniger konsumiert. Da brauchen wir wieder ein neues Gleichgewicht.“

Forderungen an die Politik: 200 Millionen Euro für Sauenhalter

Vom Agrarminister Alois Rainer (CSU), der zum Bauerntag erwartet wird, fordert der Verband konkrete Hilfen. „Wenn man die Schweinehaltung in Deutschland erhalten will, dann braucht es jetzt sofort mindestens 200 Millionen Euro für die Sauenhalter, um den Betrieben noch eine Perspektive zu schaffen“, sagte Rukwied. In einem Jahrzehnt seien 50 Prozent der schweinehaltenden Betriebe verloren gegangen. „Diese Entwicklung muss jetzt endlich gestoppt werden, und dazu braucht es frisches Geld.“ Die Mittel dürften nicht durch Umverteilung aus anderen Töpfen kommen, so der Bauernpräsident.

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Milliarden für Umbau der Tierhaltung nötig

Langfristig geht es um eine gesicherte Finanzierung für den Umbau der Tierhaltung hin zu höheren Standards. Diskutiert werden Preisaufschläge für Fleisch im Supermarkt, doch Minister Rainer erteilte diesen eine Absage. Rukwied betonte: „Langfristig braucht es mehrere Milliarden Euro, wenn man die Tierhaltung in Deutschland insgesamt auch mit höheren Standards erhalten will.“ Angesichts des aktuellen Einkaufsverhaltens sei nicht zu erkennen, dass dies allein über den Markt funktioniere. Die Zeit drängt: Das Wirtschaftsjahr der Branche endet Ende Juni, und die Aussichten sind düster.