Maschinenbau: Dräger warnt – Chemieindustrie stirbt leise
Dräger: Chemieindustrie stirbt leise

Der Chef des Lübecker Medizintechnik- und Sicherheitskonzerns Dräger, Stefan Dräger, hat eindringlich vor dem schleichenden Niedergang der deutschen Chemieindustrie gewarnt. „Die Chemieindustrie stirbt leise“, sagte er in einem Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“. Diese Entwicklung habe gravierende Folgen für den gesamten Maschinenbau, der eng mit der Branche verflochten sei.

Warnung aus der Praxis

Dräger, dessen Unternehmen selbst Maschinen und Anlagen für die Chemieindustrie herstellt, beobachtet die aktuelle Lage mit Sorge. „Wir spüren die Zurückhaltung bei unseren Kunden direkt“, berichtet er. Viele Chemieunternehmen würden Investitionen in Deutschland auf Eis legen oder ins Ausland verlagern. Als Gründe nennt er die hohen Energiepreise, die überbordende Bürokratie und die im internationalen Vergleich hohen Steuern und Abgaben.

Besonders kritisch sieht Dräger die Energiepolitik der Bundesregierung. „Deutschland hat sich von der günstigsten Energieversorgung in Europa zur teuersten entwickelt“, klagt er. Das sei ein massiver Wettbewerbsnachteil, der nicht nur die Chemieindustrie treffe, sondern die gesamte industrielle Wertschöpfungskette.

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Auswirkungen auf den Maschinenbau

Der Maschinenbau, eine der wichtigsten Industriebranchen in Deutschland, leide bereits jetzt unter der schwächelnden Chemieindustrie. „Wenn die Chemieunternehmen nicht investieren, fehlen uns die Aufträge“, erklärt Dräger. Das führe zu Kurzarbeit und Stellenabbau in vielen Betrieben.

Nach Angaben des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) ist die Chemieindustrie einer der größten Abnehmerbranchen für Maschinen und Anlagen. Ein Rückgang der Investitionen dort habe daher unmittelbare Auswirkungen auf die Auftragsbücher der Maschinenbauer.

Forderung nach politischem Umdenken

Angesichts dieser Entwicklung fordert Dräger ein Umdenken in der Politik. „Wir brauchen eine Energiewende, die die Industrie nicht abhängt, sondern mitnimmt“, sagt er. Dazu gehörten bezahlbare Energiepreise, ein Bürokratieabbau und schnellere Genehmigungsverfahren.

Zudem müsse die Bundesregierung die Rahmenbedingungen für Investitionen verbessern. „Es kann nicht sein, dass Unternehmen in Deutschland für jede Kleinigkeit einen Antrag stellen müssen, während andere Länder mit Steuervorteilen und Subventionen locken“, kritisiert Dräger.

Hoffnung auf Trendwende

Trotz der düsteren Aussichten zeigt sich Dräger optimistisch, dass eine Trendwende möglich ist. „Deutschland hat hervorragende Ingenieure und eine starke Innovationskraft“, betont er. Wenn die Politik die richtigen Weichen stelle, könne der Standort gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Allerdings müsse schnell gehandelt werden. „Wir haben nicht mehr viel Zeit“, warnt Dräger. Die Unternehmen hätten bereits begonnen, ihre Produktion ins Ausland zu verlagern. Wenn dieser Trend nicht gestoppt werde, werde Deutschland langfristig einen großen Teil seiner industriellen Substanz verlieren.

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