Elektrobranche erlebt Renaissance durch KI und Rechenzentren
Nach drei herausfordernden Jahren mit Produktionsrückgängen blickt die deutsche Elektro- und Digitalindustrie wieder optimistisch in die Zukunft. Der Branchenverband ZVEI bestätigt, dass die Talsohle durchschritten ist und sich Wachstum einstellt. Diese positive Entwicklung will die Industrie ab Montag auf der Hannover Messe präsentieren, die als wichtiges Schaufenster für technologische Innovationen gilt.
ZVEI-Präsident sieht Licht am Ende des Tunnels
Gunther Kegel, Präsident des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie, bekräftigt im Vorfeld der Messe seine Prognose von zwei Prozent Produktionswachstum für das laufende Jahr. „Die Talsohle ist erreicht, Wachstum stellt sich wieder ein“, erklärt Kegel gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Trotz aktueller geopolitischer Spannungen und volatiler Ölpreise bleibe diese Einschätzung bestehen.
Der Verbandschef, der am Sonntag bei der Eröffnungsfeier der Hannover Messe sprechen wird, betont: „Wir glauben nach wie vor, dass wir nach drei schwierigen Jahren wieder zulegen können, wenn die Verwerfungen durch den Iran-Krieg und beim Ölpreis schnell überwunden werden können.“ Politische Unsicherheiten würden der Branche bisher kaum schaden, da sie wichtige Megatrends bediene.
KI treibt Investitionen in Rechenzentren voran
Ein wesentlicher Wachstumstreiber ist der aktuelle Boom bei Rechenzentren, der maßgeblich durch Künstliche Intelligenz angetrieben wird. „Das sind gigantische Investitionen, die zu einem großen Teil der Elektro- und Digitalindustrie zugutekommen“, berichtet Kegel, der selbst als Chef des Mannheimer Sensorherstellers Pepperl+Fuchs tätig ist.
Von Schaltschränken über Kühlungssysteme bis hin zu Leistungselektronik, Sensorik und Verbindungstechnik – deutsche Hersteller liefern essentielle Komponenten für diese Infrastruktur. „Ohne Produkte deutscher Hersteller ist das nicht zu schaffen“, unterstreicht der Branchenvertreter die Bedeutung heimischer Unternehmen.
Beschäftigung stabilisiert sich nach Rückgang
Nach einem Beschäftigungsrückgang um 18.000 Stellen im vergangenen Jahr auf nun 872.000 Mitarbeiter erwartet die Branche für 2026 keine signifikante weitere Reduzierung. „Der Beschäftigungsabbau ist trotz der schwachen Konjunktur nur moderat gewesen“, analysiert Kegel. „Die Unternehmen wollen die Belegschaften am Standort halten.“
Die Produktion entwickelte sich 2025 mit einem minimalen Rückgang von 0,3 Prozent deutlich besser als zunächst befürchtet. Dennoch hat die Branche den Einbruch von 2024, als die Produktion um neun Prozent schrumpfte, noch nicht vollständig kompensiert. „Wir haben uns auf einem deutlich niedrigeren Niveau gerade einmal seitwärts bewegt“, gibt Kegel zu bedenken.
Europäisches Geschäft als Stabilitätsanker
Besonders erfreulich entwickelte sich zuletzt das Europa-Geschäft der Elektroindustrie. „Das lässt sich etwa an den Exporten ablesen, die 2025 wertmäßig so hoch waren wie nie zuvor“, berichtet der ZVEI-Präsident. Schwächen im Handel mit den USA und China konnten durch erhöhte Ausfuhren in den europäischen Binnenmarkt ausgeglichen werden.
Im US-Markt profitiert die deutsche Industrie von ihrer technologischen Führungsrolle. „In vielen Bereichen – etwa der industriellen Sensorik – gibt es keine nennenswerten amerikanischen Hersteller mehr“, erklärt Kegel. Dieser Wettbewerbsvorteil kombiniert mit dem Boom bei US-Rechenzentren sorgt für anhaltende Nachfrage: „Dort ist der Bedarf riesig – die bestellen, als gäbe es kein morgen.“
Die Hannover Messe bietet der Elektro- und Digitalindustrie nun die Gelegenheit, ihre Innovationskraft und Wachstumsperspektiven einem internationalen Publikum zu präsentieren. Nach den schwierigen Jahren der Pandemie und wirtschaftlicher Unsicherheit zeigt sich die Branche zuversichtlich, ihre technologische Kompetenz in nachhaltiges Wachstum umzumünzen.



